Die erste Umfrage nach dem SPÖ-Krisengipfel fällt für die Sozialdemokraten verheerend aus. In einer OGM-Erhebung für ServusTV kommt die SPÖ nur noch auf 12 Prozent und liegt damit hinter den Grünen. Auch der langsame Übergang von Andreas Babler zu Markus Marterbauer stößt bei den Befragten auf wenig Verständnis.
Die Zahlen
Wie ServusTV für sein Nachrichtenmagazin „Blickwechsel“ mitteilt, würde die FPÖ bei einer Nationalratswahl auf 39 Prozent kommen, die ÖVP auf 21 Prozent. Dahinter folgen die Grünen mit 15 Prozent, die SPÖ mit 12 und die NEOS mit 7 Prozent. Laut „Heute“ ist das für die SPÖ ein neuer Tiefststand, bei der Nationalratswahl 2024 hatte sie noch 21,1 Prozent erreicht. Zum Vergleich: In der OGM-Umfrage von Anfang September lag die SPÖ noch bei 15 Prozent, die Grünen bei 13. Stichprobengröße und Befragungszeitraum der aktuellen Erhebung sind bislang nicht veröffentlicht.
Zwei Drittel wollen den sofortigen Rücktritt
Der SPÖ-Kompromiss kommt bei den Befragten schlecht an. Babler bleibt bis Jahresende Vizekanzler und soll dann von Finanzminister Markus Marterbauer abgelöst werden, sofern dessen Gesundheit das zulässt. Laut „Kronen Zeitung“ würden 65 Prozent einen sofortigen Rücktritt Bablers bevorzugen, nur 26 Prozent halten einen geordneten Übergang bis 2027 für gut. Eine Mehrheit hält Babler laut ServusTV nicht mehr für voll handlungsfähig. Vier von zehn Befragten sprechen sich für Neuwahlen aus, regulär wäre die nächste Nationalratswahl erst 2029.
Grüne sehen „Auftrag“
Die Grünen werten das Ergebnis als Bestätigung. „Eine Umfrage ist kein Wahlergebnis, aber diese zeigt dennoch einen klaren Trend“, erklärte die stellvertretende Klubobfrau Sigrid Maurer in einer Aussendung. Schwarz und Rot seien „mit dieser Aufgabe überfordert und sitzen da wie das Kaninchen vor der Schlange“, die SPÖ versinke „seit Wochen in der Selbstbeschäftigung“. Maurer: „15 Prozent in einer Umfrage sind nicht das Ziel, sie sind ein Anfang und Auftrag an uns Grüne.“
Andere Institute sehen die SPÖ vorne
Einzuordnen ist das Ergebnis mit Blick auf andere Erhebungen. In der jüngsten Lazarsfeld-Umfrage für oe24 vom 24. September lag die SPÖ mit 15 Prozent noch vor den Grünen mit 13 Prozent, in der Unique-Research-Umfrage für „Heute“ ebenfalls bei 15 Prozent. Die OGM-Werte wurden allerdings als erste nach dem Krisengipfel vom Sonntag erhoben.
Gremien beschließen den Fahrplan
Am Donnerstag sollen Präsidium und Vorstand der SPÖ den Kompromiss formal beschließen und Eva-Maria Holzleitner sowie Philip Kucher als geschäftsführende Vorsitzende bestellen. Wann ein Parteitag die Vorsitzfrage klärt, steht laut „Krone“ noch nicht fest. Die Partei wünscht sich, dass Marterbauer neben dem Vizekanzleramt auch den Vorsitz übernimmt. Gibt es mehrere Kandidaten, müsste eine Mitgliederbefragung entscheiden. Für Ärger sorgt laut „Krone“ in Teilen der SPÖ außerdem, dass Babler dauerhaft Minister bleiben will.
Credits: Parlamentsdirektion/Thomas Topf
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