Substitutionstherapie: Mehr Drittstaatsangehörige in Behandlung – ihr Anteil wächst aber nur leicht

Substitutionstherapie: Mehr Drittstaatsangehörige in Behandlung – ihr Anteil wächst aber nur leicht

Rund 20.000 Menschen werden in Österreich mit Ersatzstoffen gegen ihre Opioidabhängigkeit behandelt. Eine Anfragebeantwortung von Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) zeigt nun, wie sich die Zahl der Patienten aus Staaten außerhalb der EU entwickelt hat. Der Anstieg ist deutlich – ihr Anteil an allen Behandelten verändert sich aber kaum.

Die Anfrage der FPÖ

Die FPÖ-Abgeordneten Markus Leinfellner und Gerhard Kaniak wollten wissen, wie viele Österreicher, EU-Bürger und Drittstaatsangehörige in den vergangenen zehn Jahren eine Substitutionstherapie in Anspruch genommen haben. Wie exxpress unter Berufung auf die Antwort des Ministeriums berichtet, waren 2016 insgesamt 1.724 Drittstaatsangehörige in einer solchen Behandlung, 2025 waren es 2.144 – ein Plus von rund 24 Prozent. Den Höchststand gab es 2023 mit 2.338 Patienten.

Die Gesamtzahl wächst mit

Im selben Zeitraum stieg auch die Zahl aller Behandelten, von 18.222 im Jahr 2016 auf 20.181 im Jahr 2025, also um knapp elf Prozent. Rechnet man nach, lag der Anteil der Drittstaatsangehörigen an allen Patienten 2016 bei rund 9,5 Prozent, 2025 bei rund 10,6 Prozent. Die Zahl der Patienten aus Drittstaaten ist damit stärker gestiegen als die Gesamtzahl, ihr Anteil hat sich aber nur um gut einen Prozentpunkt erhöht. Inwieweit das auch mit dem Wachstum der Bevölkerung aus Drittstaaten in Österreich zusammenhängt, geht aus der Anfragebeantwortung nicht hervor.

Wer behandelt wird

Über den gesamten Zeitraum von 2016 bis 2025 erfasste das Ministerium 4.014 unterschiedliche Drittstaatsangehörige in Substitutionsbehandlung. 92 Prozent davon waren Männer, 46 Prozent hatten ihren Wohnsitz in Wien, das Durchschnittsalter bei Behandlungsbeginn lag bei 33,6 Jahren. Die größten Gruppen nach Staatsangehörigkeit waren Serben (775), Türken (529), Georgier (462) und Afghanen (423), dazu kamen 252 Patienten aus Indien. Die Zahlen beziehen sich auf den gesamten Zehnjahreszeitraum, nicht auf ein einzelnes Jahr.

Kosten unbekannt

Wie viel die Substitutionstherapien kosten, konnte das Ministerium laut Anfragebeantwortung nicht beantworten, dazu lägen keine Zahlen vor. Schumann hält zudem fest, dass Opioidabhängigkeit eine chronische Erkrankung sei, die „oftmals lebenslangen“ Therapiebedarf mit sich bringe.

Was Substitution bedeutet

Bei der Substitutionstherapie erhalten opioidabhängige Menschen unter ärztlicher Aufsicht Ersatzmedikamente. Ziel ist, Entzugserscheinungen zu verhindern, den Konsum illegaler Drogen zu verringern und Betroffene zu stabilisieren. Eine steigende Zahl von Behandelten muss daher nicht zwingend auf mehr Abhängige hinweisen, sie kann auch bedeuten, dass mehr Betroffene den Weg in eine Behandlung finden.

Credits: Parlamentsdirektion/​David Bohmann

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