Sven Hergovich hat eine Botschaft: Er war nicht dabei. Beim Match „SPÖ gegen SPÖ“, das der Partei „sehr geschadet“ habe, habe er „ganz bewusst“ nie teilgenommen. Das sagte der niederösterreichische SPÖ-Chef am 7. Oktober, wie „Niederösterreich heute“ im ORF und noe.ORF.at berichten – am Rande einer Pressekonferenz zur neuen SPÖ-Meldestelle für Probleme im Gesundheitssystem. Ein schöner Satz. Er hat nur ein Problem: Er passt nicht zu dem, was man über die vergangenen Monate weiß.
Kein Freund von Personaldebatten
Am 11. Februar, wenige Wochen vor dem Bundesparteitag, erklärte Hergovich vor Journalisten: „Ich war noch nie ein Freund von Personaldebatten und bin auch jetzt kein Freund von Personaldebatten.“ Klang damals schon gut. Nur legen Chatnachrichten, die exxtra24 vorliegen, nahe, dass er genau zu dieser Zeit eifrig mitdiskutierte – im Austausch mit Journalisten, mit kritischen Einschätzungen zur SPÖ unter Babler und mit Zustimmung zu kritischen Berichten über den eigenen Parteichef. Intern bezeichnete er Babler den Chats zufolge als „Sektierer“. Viele seiner Aussagen landeten anonymisiert in Medienberichten. Kein Freund von Personaldebatten also, aber offenbar ein sehr guter Bekannter.
„Fake News“ statt Antworten
exxtra24 hat im April und Mai darüber berichtet. Die Nachrichten wurden aus medienrechtlichen Gründen nicht im Original veröffentlicht, sie liegen der Redaktion aber vor. Hergovich ließ eine Anfrage damals unbeantwortet, aus seinem Umfeld hieß es, es handle sich um „Fake News“. Eine inhaltliche Stellungnahme zu den Chats gibt es bis heute nicht. Wer nie mitgespielt hat, könnte das eigentlich leicht erklären.
Die Rechnung kam aus Wien
Folgenlos blieb die Sache damals nicht. Staatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig kündigte an, beim niederösterreichischen Landesparteitag Ende Mai gegen Hergovich anzutreten. In der Partei wurde das als Reaktion aus dem Babler-Lager gelesen: „Wer sich gegen die Parteilinie stellt, muss mit Konsequenzen rechnen“, hieß es unter vorgehaltener Hand. Hergovich konnte die Kampfabstimmung abwenden. Für jemanden, der am Match nie teilgenommen hat, hat er bemerkenswert viel davon abbekommen.
Sprecher der Neun
Und dann der vergangene Sonntag. Bevor die Landeschefs Babler im Hotel Steigenberger gegenübertraten, berieten sie im Wiener Rathaus unter sich. Wer trat danach vor die Kameras? Hergovich: „Wir neun gehen mit einer akkordierten Meinung in das Gespräch.“ Laut „Heute“-Informationen wollten acht der neun den sofortigen Rückzug Bablers. Wie Hergovich selbst dazu stand, sagt er nicht. Aber wer im entscheidenden Moment für die Runde spricht, die den Parteichef ablöst, sitzt nicht auf der Tribüne. Der steht am Spielfeld.
Was bleibt
„Ganz bewusst nie teilgenommen“ ist der Satz eines Mannes, der hofft, dass sich niemand an das Frühjahr erinnert. Die Chats erinnern sich. Und solange Hergovich sie nicht erklärt, bleibt von seiner Unschuldsbeteuerung vor allem eines übrig: ein weiteres Kapitel im Match SPÖ gegen SPÖ – diesmal gegen die eigene Glaubwürdigkeit.
Credits: Johannes Zinner
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