Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) macht Druck: Der Zivildienst soll von neun auf zwölf Monate verlängert werden – parallel zur geplanten Wehrdienstreform. Der Bedarf im Pflege- und Sozialbereich wächst, die Zivildiener werden knapper.
Bauer: „Bei zwölf Monaten sollte die Grenze sein“
Familienministerin Claudia Bauer (ÖVP) hat in der ORF-Pressestunde klar Position bezogen. Wie der ORF berichtete, bezeichnete sie zwölf Monate als ihre persönliche Schmerzgrenze für eine Verlängerung des Zivildienstes: „Bei zwölf Monaten sollte die Grenze sein.“ Den Wehrdienstbericht wolle sie aber nicht auf die Zahl der Monate reduzieren – das Ziel sei eine „wehrhafte Demokratie“. Zivil- und Wehrdienst seien beide wichtige Säulen, man wolle mit Verteidigungsministerin Klaudia Tanner „im Gleichschritt Verbesserungen anstreben.“
Wie heute.at berichtete, betonte Bauer den wachsenden Bedarf im Sozial- und Gesundheitsbereich als zentrales Argument: Die Bevölkerung werde älter, der Pflegebedarf steige massiv – gleichzeitig kämen wegen sinkender Geburtenraten künftig deutlich weniger Zivildiener nach. Prognosen zeigten, dass ab 2040 statistisch jeder siebente Zivildiener fehlen könnte.
Was die Wehrdienstkommission empfohlen hat
Grundlage für den ÖVP-Vorstoß ist der Abschlussbericht der Wehrdienstkommission unter Erwin Hameseder vom 20. Jänner 2026. Wie nachrichten.at und Der Standard berichteten, empfiehlt die Kommission das Modell „Österreich Plus“: acht Monate Grundwehrdienst plus zwei Monate verpflichtende Milizübungen. Parallel dazu soll der Zivildienst von neun auf zwölf Monate verlängert werden – und stärker auf Aufgaben der zivilen Landesverteidigung ausgerichtet werden. In allen drei ausgearbeiteten Modellen landete die Kommission beim Zivildienst bei zwölf Monaten.
Geplant ist laut Kommission zudem, dass Zivildiener für den Krisenfall einen sogenannten „Bereitstellungsschein“ erhalten – also eine Zuweisung zu konkreten Aufgaben der zivilen Landesverteidigung im Ernstfall.
Mehr Qualität, weniger „Wildwuchs“
Neben der Verlängerung will Bauer den Zivildienst auch inhaltlich weiterentwickeln. Wie heute.at berichtete, soll ein stärkerer Fokus auf Ausbildung gelegt werden – damit Zivildiener nicht nur mithelfen, sondern auch Qualifikationen für ihren Berufsweg erwerben. Schon jetzt bleibe rund jeder dritte Zivildiener nach dem Dienst im Sozial- oder Gesundheitsbereich. Bei den Anrechnungsmöglichkeiten des Zivildienstes orte sie jedoch einen „Wildwuchs“, der überprüft werden müsse.
SPÖ und NEOS bremsen – Volksbefragung als Plan B
Die politischen Hürden bleiben hoch. Wie exxpress.at und NewsFlixat berichteten, steht die ÖVP mit ihrer Reformbegeisterung in der Koalition weitgehend allein: SPÖ-Wehrsprecher Robert Laimer sieht die Verlängerung „nicht als Teil des Regierungsprogramms“, die NEOS favorisieren grundsätzlich ein Berufsheer. Eine Verfassungsmehrheit wäre mit ÖVP und FPÖ erreichbar – die FPÖ hat Zustimmung signalisiert. Kommissionschef Hameseder hatte zuletzt erklärt, bei einem Scheitern der Koalitionsverhandlungen sei eine Volksbefragung „sehr wohl sinnvoll.“
Credits: APA
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