Israel stoppt Gaza-Hilfsflotte mitten im Mittelmeer – 175 Aktivisten festgesetzt

Israel stoppt Gaza-Hilfsflotte mitten im Mittelmeer – 175 Aktivisten festgesetzt

Über 1.000 Kilometer vom Gaza-Streifen entfernt hat die israelische Marine Schiffe der Global Sumud Flotilla abgefangen. 21 von 58 Booten wurden gestoppt, rund 175 Menschen festgesetzt. Die Türkei spricht von Piraterie.


Zugriff bei Kreta – weit weg von Gaza

In den frühen Morgenstunden des 30. April schlugen israelische Militärboote zu. Wie Euronews unter Berufung auf die Organisatoren und israelische Quellen berichtete, wurden 21 der insgesamt 58 Boote der Global Sumud Flotilla in internationalen Gewässern nahe der griechischen Insel Kreta gestoppt – mehr als 1.000 Kilometer von der Küste Gazas entfernt. Rund 175 Aktivisten aus über 20 Ländern wurden festgesetzt und nach Angaben des israelischen Außenministeriums „friedlich“ nach Israel gebracht.

Die Organisatoren schilderten das Vorgehen drastischer. Wie Al Jazeera berichtete, erklärte Flotillensprecher Gur Tsabar: „Unsere Boote wurden von Militärschnellbooten angefahren, die sich als ‚Israel‘ identifizierten – mit Lasern und halbautomatischen Waffen. Die Besatzungen wurden aufgefordert, sich auf die Knie zu legen.“ Kommunikation zu mehreren Booten sei durch Störsender gezielt unterbrochen worden, ein Notruf sei ausgesandt worden.

Israel: „Provokative Flotte“ vor israelischem Gebiet gestoppt

Wie der ORF berichtete, bestätigte Israels UN-Botschafter Danny Danon auf X die Aktion: Die Flotte sei gestoppt worden, „bevor sie israelisches Gebiet erreicht hat.“ Israelische Soldaten hätten dabei „mit Professionalität und Entschlossenheit“ gehandelt. Das israelische Außenministerium veröffentlichte laut Berliner Zeitung ein Video, das angeblich „Kondome und Drogen“ an Bord eines abgefangenen Schiffes zeigen soll, und bezeichnete die Aktion in einem X-Post als Vorgehen gegen eine „Kondom-Flotte“. Verteidigungsminister Israel Katz hatte bereits am Mittwoch Sanktionen gegen eine Crowdfunding-Kampagne der Flotilla verhängt und die Gruppe als unter Einfluss der Hamas stehend bezeichnet – was die Organisatoren zurückweisen.

Türkei: „Akt der Piraterie“ – Griechenland in der Pflicht?

Wie die Berliner Zeitung berichtete, verurteilte die türkische Regierung den Einsatz als „Akt der Piraterie“ und als Verletzung humanitärer Prinzipien und des Völkerrechts. Außenminister Hakan Fidan telefonierte mit seinem spanischen Amtskollegen. In Athen kündigten Aktivisten Proteste vor dem griechischen Außenministerium an – mit dem Hinweis, dass der Zugriff in jenem Seegebiet erfolgt sei, für das Griechenland bei Such- und Rettungseinsätzen zuständig ist. Die griechische Küstenwache habe nicht reagiert.

Zweiter Anlauf – gleicher Ausgang

Es war nicht der erste Versuch. Wie der ORF berichtete, war bereits Ende Oktober 2025 eine frühere Gaza-Hilfsflotte von Israel abgefangen worden – damals waren über 450 Aktivisten festgenommen worden, darunter Klimaaktivistin Greta Thunberg und EU-Parlamentsmitglied Rima Hassan. Alle wurden später freigelassen und ausgewiesen. Die humanitäre Lage in Gaza bleibt laut Hilfsorganisationen weiterhin äußerst prekär.

Credits: APA

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