Österreichs Paketsteuer: Temu lacht, heimische Händler zahlen

Österreichs Paketsteuer: Temu lacht, heimische Händler zahlen

Die österreichische Bundesregierung hat eine Paketabgabe von zwei Euro pro Sendung in Begutachtung geschickt – und damit einen Sturm der Kritik ausgelöst. Statt asiatische Billigplattformen zu treffen, treffe die Steuer vor allem heimische Händler und am Ende die Konsumenten, lautet der Vorwurf. Handelsverband-Chef Rainer Will spricht von einem „klaren Eigentor“.

Was die Steuer bringen soll – und was sie kostet

Wie ORF.at berichtet, soll die Paketabgabe ab 30. September 2026 für alle Onlinehändler mit mehr als 100 Millionen Euro Jahresumsatz in Österreich gelten. Laut Finanzministerium erwartet der Staat damit rund 280 Millionen Euro pro Jahr – Geld, das die gleichzeitige Halbierung der Mehrwertsteuer auf ausgewählte Grundnahrungsmittel ab 1. Juli 2026 gegenfinanzieren soll. Betroffen sind laut Salzburger Nachrichten unter anderem Amazon, MediaMarkt, Niceshops, Otto, Shein, Temu und Zalando. B2B-Onlineshops bleiben ausgenommen.

Handelsverband: „Massensteuer durch die Hintertür“

Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will lässt in seiner Kritik nichts aus. Wie aus der OTS-Presseaussendung des Handelsverbands hervorgeht, erklärte er: „Sie wird als Maßnahme gegen Temu und Shein verkauft, tatsächlich zahlen aber vor allem österreichische und europäische Händler, die rechtskonform agieren, die Rechnung. Die eigentlichen Verursacher der Wettbewerbsverzerrung werden das System weiterhin umgehen.“ Laut meinbezirk.at nennt Will die Abgabe eine „Massensteuer durch die Hintertür“, die den Online-Einkauf verteuere und damit die Inflation befeuere. Besonders heikel: Wie die Kronen Zeitung berichtet, bleibt die Abgabe selbst bei Retouren hängen – zahlen tun am Ende die Konsumenten.

Auch kleine und mittlere Unternehmen, die über Marktplätze wie Amazon Marketplace verkaufen, seien betroffen, obwohl die Steuer offiziell nur Großhändler adressiert, so Will gegenüber der Krone.

Zalando kontert: Falsche werden zur Kasse gebeten

Auch Zalando meldet sich zu Wort. Wie die Kronen Zeitung berichtet, erklärte ein Sprecher des Onlineriesen: „Sie würde schlicht die Falschen treffen: Österreichische und europäische Anbieter würden zur Kasse gebeten, obwohl sie sich an geltendes Recht halten und in Europa zur Wertschöpfung beitragen. Dazu müssen wir damit rechnen, dass nichteuropäische Anbieter sich der Steuer entziehen, was den Ertrag massiv verringert.“ Die Stoßrichtung ist eindeutig: Temu und Shein werden die Abgabe schlicht umgehen – reguläre Anbieter nicht.

Rechtliche Bedenken und gescheiterte Vorbilder

Die Kritik beschränkt sich nicht auf wirtschaftliche Argumente. Wie die Kronen Zeitung berichtet, prüfen XXXLutz und Händler Otto bereits rechtliche Schritte gegen die Steuer. Und ein Blick ins EU-Ausland stimmt skeptisch: Wie der Handelsverband via OTS festhält, ist kein einziges EU-Land bisher mit einer nationalen Paketabgabe erfolgreich gewesen. Zuletzt scheiterten Frankreich und Italien mit ähnlichen Vorhaben. Wie top.tirol berichtet, zeigt zudem ein Rechnungshof-Bericht vom Februar 2026, dass die österreichischen Behörden mangels geeigneter Infrastruktur gar nicht prüfen können, ob die Steuer korrekt abgeführt wird.

Will appelliert laut OTS an die Koalition, den nationalen Alleingang zu stoppen – zumal auf EU-Ebene ab 1. Juli 2026 ohnehin die Zollfreigrenze für Drittstaatensendungen unter 150 Euro fällt.

Credits: APA

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x