Die Leerstandsabgabe sollte das Wundermittel gegen Wohnungsnot sein, doch in der Praxis entpuppt sie sich vielerorts als zahnlos. Während die Politik auf eine Mobilisierung von Wohnraum hoffte, zeigen sich viele Bürgermeister und Experten ernüchtert. Hoher Verwaltungsaufwand, magere Einnahmen und zahlreiche Ausnahmen lassen die Frage aufkommen: Ist die Abgabe mehr Aufwand als Nutzen?
Salzburg: Vorreiter mit ernüchternder Bilanz
Salzburg, das als Vorreiter bei der Leerstandsabgabe galt, kämpft mit den Realitäten. Seit Anfang 2023 können Gemeinden eine Abgabe für leer stehende Wohnungen einheben. Doch die anfängliche Euphorie ist verflogen. Von ursprünglich 66 Gemeinden sind nur noch 45 dabei. Der Grund, wie Saalfeldens Bürgermeister Erich Rohrmoser (SPÖ) gegenüber der APA erklärt: „Der Aufwand ist zu groß, die Erträge sind zu gering bei der großen Anzahl an Ausnahmen.“
Die Zahlen bestätigen diesen Eindruck. Für 2023 wurden landesweit gerade einmal 74.600 Euro eingenommen, wie die Salzburger Nachrichten berichten. Demgegenüber steht ein enormer bürokratischer Aufwand. In der Stadt Salzburg kritisiert Bürgermeister Bernhard Auinger (SPÖ), dass die Personalkosten für die Erhebungen die Einnahmen übersteigen. Der zuständige Vizebürgermeister Kay-Michael Dankl (KPÖ Plus) fordert daher eine höhere Abgabe, während Wohnbau-Landesrat Martin Zauner (FPÖ) den Ball zurückspielt und erst einmal eine flächendeckende Erhebung und genaue Zahlen verlangt.
Tirol und Steiermark: Ein Flickenteppich an Regelungen
In Tirol überlässt man den Gemeinden seit Jahresbeginn die Entscheidung, ob und in welcher Höhe sie die Abgabe einheben. Laut APA-Anfrage haben sich bisher 154 der 277 Gemeinden dafür entschieden. Die Einnahmen sind auch hier überschaubar. Eine Umfrage vom Sommer 2025 ergab Einnahmen von 384.000 Euro, wobei ein Großteil der gemeldeten Leerstände unter Ausnahmeregelungen fiel.
Die Steiermark, ebenfalls ein Bundesland der ersten Stunde, könnte die Abgabe bald wieder abschaffen. Die neue Regierungskoalition aus FPÖ und ÖVP hat im Regierungsprogramm festgelegt, die 2022 eingeführte Regelung zu beenden. Der Grund, wie das Magazin Kommunal berichtet: Der administrative Aufwand stehe in keinem Verhältnis zum Nutzen.
Wien und andere Bundesländer winken ab
Während in einigen Bundesländern mit mäßigem Erfolg experimentiert wird, halten sich andere komplett zurück. Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und das Burgenland planen keine Leerstandsabgabe. Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) zeigte sich skeptisch, da es schwierig sei, Leerstand überhaupt zu definieren und zu überprüfen. Auch der niederösterreichische ÖVP-Klubobmann Kurt Hackl betonte, man sei gegen neue Steuern, die in das Eigentum eingreifen.
Kritik von Experten und Eigentümern
Die Kritik an der Abgabe kommt nicht nur aus der Politik. Der Österreichische Haus- und Grundbesitzerbund (ÖHGB) bezeichnet die Abgabe als „stumpfes, aber teures Instrument“. Roman Oberndorfer, Obmann des Fachverbandes der Immobilien- und Vermögenstreuhänder in der Wirtschaftskammer, pflichtet bei und erklärt, dass eine Abgabe keinen einzigen Quadratmeter neuen Wohnraum schaffe. Vielmehr verschrecke die rechtliche Unsicherheit private Eigentümer, was das Problem eher verschärfe als löse.
Letztlich bleibt die Frage, ob eine Steuer, die mehr kostet, als sie einbringt, und deren Lenkungswirkung fraglich ist, das richtige Mittel im Kampf gegen die Wohnungsnot ist. Die bisherigen Erfahrungen in den Bundesländern zeichnen ein klares Bild: Das vermeintliche Wundermittel ist in der Realität ein bürokratisches und finanzielles Fiasko.
Quellen: oe24.at, wko.at, sn.at, salzburg24.at, APA
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