Österreicher begrüßen Orbáns Abwahl: Nur 16 Prozent trauern dem Ende einer Ära nach

Österreicher begrüßen Orbáns Abwahl: Nur 16 Prozent trauern dem Ende einer Ära nach

Nach 16 Jahren Viktor Orbán ist Ungarn ein anderes Land — und die Österreicher sind mehrheitlich froh darüber. Eine aktuelle Umfrage zeigt, wie das Nachbarland den historischen Machtwechsel in Budapest wertet.

Magyar gewinnt Zweidrittelmehrheit — Orbán räumt Niederlage ein

Am 12. April 2026 fand in Ungarn eine Parlamentswahl statt, die Europa aufhorchen ließ. Wie ZDF berichtet, errang Péter Magyar und seine Tisza-Partei nach Auszählung von fast 99 Prozent der Stimmen rund 53,1 Prozent der Listenstimmen und damit 138 der 199 Parlamentssitze — eine klare Zweidrittelmehrheit. Orbáns Fidesz stürzte von ehemals 133 Sitzen auf nur noch 55 ab. Die Wahlbeteiligung lag laut taz bei 79,5 Prozent — ein Rekordwert.

Orbán räumte seine Niederlage noch am Wahlabend ein. Es sei ein „schmerzhaftes, aber eindeutiges“ Ergebnis, sagte er laut ZDF vor Anhängern in Budapest. Magyar feierte den Sieg als „Befreiung“ des Landes.

Österreich: 45 Prozent erfreut, nur 16 Prozent enttäuscht

Wie OE24 berichtet, zeigt eine aktuelle Lazarsfeld-Umfrage (1.000 Befragte vom 13. bis 14. April) ein eindeutiges Stimmungsbild in Österreich: 45 Prozent der Befragten gaben an, über Orbáns Niederlage erfreut zu sein. Lediglich 16 Prozent zeigten sich enttäuscht.

Besonders aufschlussreich ist der Blick auf die Parteipräferenzen. Unter den Anhängern der Grünen und der NEOS begrüßten je 81 Prozent das Wahlergebnis, bei SPÖ-Sympathisanten waren es 67 Prozent. Auch unter ÖVP-Wählern freute sich eine Mehrheit von 55 Prozent über Orbáns Abgang — eine bemerkenswerte Zahl, bedenkt man, dass Orbáns Fidesz bis zu seinem Bruch mit der EVP jahrelang zur selben europäischen Parteienfamilie der Christdemokraten gehörte.

Unter FPÖ-Anhängern hielt sich die Trauer über die Niederlage des langjährigen Verbündeten in Grenzen: Nur 35 Prozent zeigten sich enttäuscht, 28 Prozent war das Ergebnis schlichtweg egal — und immerhin 19 Prozent der Blauen fanden das Wahlergebnis gut.

Warum Orbán verlor: Wirtschaft schlägt Identitätspolitik

Die Friedrich-Naumann-Stiftung analysiert, dass Orbáns Niederlage weniger mit Ideologie als mit „Regierungsmüdigkeit“ zusammenhängt: Wirtschaftliche Stagnation, steigende Lebenshaltungskosten, Korruptionsvorwürfe und sich verschlechternde öffentliche Dienstleistungen hätten das Vertrauen der Bevölkerung aufgezehrt. Magyar habe das Rennen als Referendum über die Funktionsfähigkeit des Staates gerahmt — und damit auch bisherige Fidesz-Wähler für sich gewonnen.

Credits: APA

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