Am Karsamstag hat Außenministerin Beate Meinl-Reisinger mit dem iranischen Chefdiplomat Abbas Araghtschi telefoniert. Mitten im Krieg setzt Wien auf Dialog – und pocht auf Deeskalation und freie Schifffahrt.
Das Gespräch auf höchster Ebene
Fünf Wochen nach Beginn des Iran-Kriegs hat die österreichische Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) das direkte Gespräch mit Teheran gesucht. Wie nachrichten.at und der ORF übereinstimmend berichten, fand am Karsamstag ein Telefonat zwischen Meinl-Reisinger und dem iranischen Außenminister Abbas Araghtschi statt. Meinl-Reisinger kommentierte den Schritt auf der Plattform X mit den Worten: „In Zeiten wie diesen ist es wichtig, den Dialog aufrechtzuerhalten.“
Laut eigenen Angaben der Ministerin forderte sie in dem Gespräch Deeskalation, ein Ende der iranischen Angriffe auf Nachbarstaaten sowie die Wiederherstellung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus. Besonders dringlich sei dies, so Meinl-Reisinger, wegen der humanitären Folgen für die globale Ernährungssicherheit – mit speziellem Fokus auf Düngemittel und andere lebenswichtige Güter. Wie dpa-AFX festhält, schrieb Meinl-Reisinger nichts über die Reaktion ihres Gesprächspartners.
Wer ist Abbas Araghtschi?
Meinl-Reisingers Gesprächspartner ist kein Unbekannter auf dem internationalen Parkett. Wie Wikipedia und Britannica dokumentieren, ist Abbas Araghtschi seit August 2024 Außenminister der Islamischen Republik Iran. Er ist ehemaliges Mitglied der Iranischen Revolutionsgarde, kämpfte im Ersten Golfkrieg und promovierte später an der britischen University of Kent in Politikwissenschaft. Wie kettner-edelmetalle.de in einem ausführlichen Profil festhält, spielte Araghtschi eine Schlüsselrolle bei den Atomverhandlungen, die 2015 zum JCPOA-Atomabkommen führten – jenem Abkommen, das Trump 2018 in seiner ersten Amtszeit einseitig aufkündigte. Araghtschi gilt westlichen Diplomaten als ernsthaft und technisch versiert, genießt aber auch das volle Vertrauen des Obersten Führers.
Österreich als Vermittler – eine Tradition
Das Telefonat fügt sich in eine Linie österreichischer Außenpolitik ein, die seit Wochen auf diplomatische Lösungen drängt. Wie das Außenministerium (BMEIA) auf seiner offiziellen Website dokumentiert, betonte Meinl-Reisinger bereits am 16. März beim EU-Rat für Auswärtige Angelegenheiten in Brüssel die Notwendigkeit einer raschen Rückkehr zur Diplomatie – mit besonderem Fokus auf die Blockade der Straße von Hormus und die Versorgungssicherheit.
Dass Wien in diesem Konflikt eine besondere Rolle beanspruchen kann, liegt auch an der jahrzehntelangen Tradition: Die IAEA – jene Behörde, auf deren vollständige Kooperation Meinl-Reisinger im Telefonat ausdrücklich bestand – hat ihren Sitz in Wien. Österreich unterstütze, wie die Ministerin abschließend betonte, jeden diplomatischen Weg zu einem neuen Abkommen über das iranische Atomprogramm und zu uneingeschränkter IAEA-Zusammenarbeit.
Kein Kommentar aus Teheran
Bemerkenswert an dem Telefonat: Araghtschi äußerte sich öffentlich nicht dazu. Wie dpa-AFX berichtet, teilte Meinl-Reisinger ausschließlich ihre eigenen Forderungen mit – über Reaktionen oder Zusagen seitens des iranischen Außenministers schwieg sie. Das ist in der Diplomatie üblich, lässt jedoch offen, wie weit der Gesprächskanal tatsächlich in beide Richtungen funktioniert.
Credits: APA
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