Österreich klettert im Pressefreiheitsindex auf Platz 19 – aber Luft nach oben bleibt

Österreich klettert im Pressefreiheitsindex auf Platz 19 – aber Luft nach oben bleibt

Reporter ohne Grenzen hat den Pressefreiheitsindex 2026 veröffentlicht. Österreich verbessert sich um drei Plätze – gleichzeitig erreicht das globale Ranking den schlechtesten Durchschnittswert in seiner 25-jährigen Geschichte.

Platz 19 – bestes Ergebnis seit Jahren

Wie vol.at unter Berufung auf APA berichtete, belegt Österreich im aktuellen Pressefreiheitsindex von Reporter ohne Grenzen (RSF) Platz 19 mit 79,43 von 100 möglichen Punkten – ein Plus von 1,31 Punkten und drei Plätzen gegenüber dem Vorjahr. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren lag Österreich noch auf dem historischen Tief von Platz 32 mit 74,7 Punkten. Auf Platz 19 befindet sich Österreich nun in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kanada (Platz 20) und Großbritannien (Platz 18) in jener Gruppe von 36 Ländern, denen eine „zufriedenstellende“ Pressefreiheitslage bescheinigt wird. Deutschland belegt Rang 14, die Schweiz Rang 8.

An der Spitze stehen wie gewohnt Norwegen, die Niederlande und Estland. Als wirklich „gut“ wird die Lage lediglich in sieben Ländern eingestuft – Länder, in denen zusammen weniger als ein Prozent der Weltbevölkerung lebt.

Stärkste Verbesserung: Recht und Politik

Österreich punktet laut vol.at besonders in der Sicherheitskategorie mit 94,31 Punkten. Den stärksten Zuwachs gab es beim rechtlichen Kontext mit plus 2,4 Punkten auf 84,37. RSF-Österreich-Generalsekretär Martin Wassermair verwies als Hauptgrund auf das neue Informationsfreiheitsgesetz: Es beendet die jahrzehntealte Amtsverschwiegenheit und öffnet neue Möglichkeiten für investigative Recherchen. Zusätzlich wurden erste Schritte zur Umsetzung des Europäischen Medienfreiheitsgesetzes gesetzt. RSF-Österreich-Präsident Fritz Hausjell hob hervor, dass der öffentliche Diskurs der kritischen Berichterstattung wieder mehr Wertschätzung entgegenbringe – „nach zahlreichen Fällen von Korruption und Machtmissbrauch“. Gleichzeitig mahnte er: „Wir müssen in Richtung der Top Ten kommen.“

Sorgen bereitet Hausjell laut vol.at die finanzielle Lage der Medien: „Wir brauchen kräftige, gut ausgestattete Redaktionen. Diese haben wir so nicht mehr.“ Die Abwanderung von Werbegeldern zu internationalen Plattformen bringe viele Häuser in Schwierigkeiten.

Schlechtester globaler Durchschnitt seit 25 Jahren

Das internationale Bild ist düster. Wie vol.at berichtete, wurde der globale Durchschnittswert im Pressefreiheitsindex noch nie so niedrig gemessen wie 2026 – in mehr als der Hälfte aller untersuchten Länder gilt die Lage als „schwierig“ oder „sehr ernst.“ RSF zählte im Vorjahr 67 im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötete Journalisten – die meisten davon im Gazastreifen. Seit Oktober 2023 sollen dort mehr als 220 Medienschaffende durch die israelische Armee getötet worden sein, mindestens 70 davon bei der Ausübung ihrer Tätigkeit. Israel belegt im Ranking Platz 116.

Die USA rutschten um sieben Plätze auf Platz 64 ab – die Lage gilt nun als „problematisch“, was RSF unter anderem auf die zunehmend feindseelige Rhetorik der Trump-Administration gegenüber Medien zurückführt. Den größten Sprung nach oben machte Syrien: Nach dem Sturz von Bashar al-Assad verbesserte sich das Land um 36 Plätze auf Rang 141.

Babler kündigt Reformen an – Grüne skeptisch

Medienminister Andreas Babler (SPÖ) erklärte laut vol.at, mit dem Aufwärtstrend „noch nicht zufrieden“ zu sein. Als nächste Schritte nannte er eine ORF-Reform, eine qualitätsorientierte Neuaufstellung der Medienförderung sowie besseren Schutz vor Einschüchterungsklagen. Medienanwältin Maria Windhager von RSF Österreich bezeichnete SLAPP-Klagen weiterhin als „großes Problem.“

Grünen-Mediensprecherin Sigrid Maurer stellte der Regierung ein schlechtes Zeugnis aus: „Diese Regierung hat in den letzten eineinhalb Jahren tatenlos dabei zugesehen, wie die heimische Medienbranche ums Überleben kämpft.“

Credits: APA

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