Österreich an Brüssel: Pröll will Anthropic strategisch in der EU ansiedeln

Österreich an Brüssel: Pröll will Anthropic strategisch in der EU ansiedeln

US-Exportkontrollen sperren Europas Zugang zu den leistungsstärksten KI-Modellen – zuerst traf es Anthropic, nun auch OpenAI. Österreichs Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll schlägt der EU-Kommission vor, das Problem an der Wurzel zu packen.

Brief an Brüssel: Anthropic soll nach Europa kommen

Wie oe24 unter Berufung auf eine APA-Meldung berichtet, hat Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) einen Brief an EU-Kommissarin Henna Virkkunen geschrieben und darin vorgeschlagen, das US-KI-Unternehmen Anthropic „strategisch“ in der Europäischen Union anzusiedeln. „Lassen Sie uns gemeinsam eine strategische Ansiedlung und Beteiligung von Anthropic innerhalb der Europäischen Union prüfen. Mit Rechtssicherheit, Marktzugang, Kapital und einer Werteordnung, die zu diesem Unternehmen passt“, so Pröll in dem Schreiben laut oe24. Ziel sei es, den Standort Europa zu stärken und digitale Souveränität zurückzugewinnen. Europas eigene KI-Modelle solle man damit nicht untergraben, betonte Pröll – es gehe um strategische Ergänzung, nicht Ersatz.

Warum gerade Anthropic?

Pröll argumentiert laut oe24 mit Anthropics spezifischem Unternehmensansatz: „Gerade Anthropic passt zu uns. Ein Unternehmen, das den ethischen Einsatz von KI nicht als Marketing begreift, sondern als Grundüberzeugung. Das Sicherheit über Geschwindigkeit stellt. Das ist eine zutiefst europäische Haltung.“ Damit spielt er auf Anthropics Firmenphilosophie an, die das Unternehmen seit seiner Gründung durch ehemalige OpenAI-Mitarbeiter als zentrales Markenversprechen verfolgt. Pröll vergleicht den Fall Anthropic auch mit der Sicherheitsdebatte rund um TikTok: Damals wurde die Frage gestellt, ob ein Dienst unter amerikanischer oder chinesischer Kontrolle in Europa betrieben werden sollte. Dieselbe Frage stelle sich jetzt bei KI-Modellen.

Der Auslöser: US-Regierung sperrt Europas KI-Zugang

Konkret reagiert Pröll auf zwei Vorgänge der vergangenen Wochen. Erstens: Anthropic musste auf Anweisung der Trump-Administration seine leistungsstärksten Modelle Mythos 5 und Fable 5 Anfang Juni für alle nicht-amerikanischen Nutzer sperren – inklusive Europa – wie ad-hoc-news und boerse-global unter Berufung auf Unternehmensangaben berichten. Hintergrund war eine Executive Order der Trump-Administration vom 2. Juni 2026, die für fortgeschrittene KI-Systeme eine 30-tägige Vorabprüfung vorschreibt. Inzwischen wurden die Sperren laut ad-hoc-news teilweise wieder gelockert.

Zweitens: Auch OpenAI schloss mit der Vorstellung seiner neuen GPT-5.6-Modellfamilie – bestehend aus Sol, Terra und Luna – einen europaweiten Marktzugang zunächst aus. Wie TechCrunch und Trending Topics berichten, wurde der Zugang auf lediglich rund 20 vorab von US-Behörden genehmigte Partner beschränkt. OpenAI betonte laut TechCrunch selbst, dass dieser Zustand kein dauerhafter Industriestandard werden dürfe – und plant eine breitere Freigabe in den kommenden Wochen.

Credits: Parlamentsdirektion / ​Johannes Zinner

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