Die Österreichische Glasfaser-Infrastrukturgesellschaft (öGIG), eine 100-prozentige Tochter der Allianz Gruppe, steht nach Informationen aus der Bauwirtschaft vor erheblichen wirtschaftlichen Herausforderungen. Das Unternehmen weist die Vorwürfe in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber exxtra24 weitgehend zurück – doch die Widersprüche zwischen den Aussagen der Branche und jenen des Managements sind erheblich.
Mehr als 20 Millionen Euro offene Forderungen – öGIG bestreitet
Nach Informationen aus der Bauwirtschaft belaufen sich offene Forderungen mehrerer Bauunternehmen auf mehr als 20 Millionen Euro. Betroffen seien Auftragnehmer unterschiedlicher Größenordnungen – darunter marktführende Konzerne wie Porr und Swietelsky. Die betroffenen Projekte erstrecken sich über mehrere Bundesländer: Steiermark, Niederösterreich, Kärnten, Burgenland und Vorarlberg.
Auf die direkte Frage von exxtra24, ob diese Forderungen bestehen, antwortete öGIG-Sprecherin Bernadette Glomser knapp: „Nein, das können wir nicht bestätigen.“ Wie viele Auftragnehmer konkret betroffen seien, wollte sie ebenfalls nicht beziffern: „Im normalen Rechnungslauf werden Zahlungsfristen festgelegt, an die wir uns bei ordnungsgemäßer und mängelfreier Ausführung halten. Eine konkrete Anzahl können wir nicht nennen, da sich Rechnungen laufend im Prüf-, Freigabe- oder Klärungsprozess befinden.“
Baustopps? „Gibt es nicht“ – Branche sieht das anders
Aus der Branche ist die Rede von zumindest sechs Unternehmen, die Arbeiten auf öGIG-Baustellen vorübergehend eingestellt haben sollen. Subunternehmer berichten von wachsender Unsicherheit hinsichtlich ausstehender Zahlungen und der weiteren Projektfinanzierung. Mindestens zwei kleinere Bauunternehmen hätten ihre Geschäftstätigkeit inzwischen zur Gänze eingestellt. Ob die öGIG-Verbindlichkeiten dafür ausschlaggebend waren, lässt sich nicht eindeutig feststellen – aus Sicht der Betroffenen sollen offene Forderungen jedoch eine zentrale Rolle gespielt haben.
Glomser wies die Darstellungen auf Anfrage von exxtra24 zurück: „Es gibt keine Baustopps bei mehreren öGIG-Projekten.“ Auf die Frage nach Liquiditätsengpässen antwortete sie ebenso knapp mit „Nein.“ Ob laufende Glasfaserprojekte dauerhaft eingestellt oder verzögert werden könnten, verneinte Glomser ebenfalls: „Die von der öGIG betriebenen Glasfaserprojekte werden im Rahmen der getroffenen Vereinbarungen erfüllt. Wie im normalen Geschäftsgebaren üblich, kann es aufgrund von unbeeinflussbaren Faktoren – Witterung, Konkurs eines Lieferanten etc. – vereinzelt zu Verzögerungen kommen.“
Krisentermin bei Kunasek
Wie exxtra24 erfahren hat, wurde in den nächsten zwei Wochen seitens Kommunalpolitikern ein informelles Gespräch mit Landeshauptmann Kunasek (FPÖ) vereinbart. Mehrere Bürgermeister sollen den steirischen Landeshauptmann über die Entwicklung laufender Projekte informiert haben. Auch Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) soll in Kenntnis gesetzt worden sein.
öGIG-Sprecherin Glomser kommentierte das gegenüber exxtra24 mit spürbarer Distanz:
„Bürgermeister pflegen uns im Allgemeinen nicht über ihre routinemäßige Kommunikation mit den jeweiligen Landeshauptfrauen und Landeshauptmännern zu informieren.“
Eine Teilnahme an dem beschriebenen Termin schloss sie faktisch aus: „Die Teilnahme an allfälligen Krisenterminen wäre für die öGIG nur dann sinnvoll, wenn wir thematisch einen Beitrag zur Lösung allfälliger Probleme leisten könnten. Zu diesem Thema gibt es keinen Krisentermin.“
Unregelmäßigkeiten bei Software
Mehrere Bauunternehmen haben gegenüber Medien auf Unregelmäßigkeiten bei der eingesetzten digitalen Auftrags- und Abwicklungssoftware hingewiesen. Konkret steht der Verdacht im Raum, dass Leistungsstände nicht korrekt abgebildet worden sein könnten – ob durch technische Mängel, Fehlbedienungen oder mögliche Pflichtverletzungen, ist derzeit offen.
Glomser antwortete auf die entsprechende Frage ausweichend: „Wir unternehmen alle nötigen Schritte, damit unsere Partner diese neue Möglichkeit nutzen werden.“ Auf die Folgefrage, ob fehlerhafte Erfassungen ausgeschlossen werden können, bat Glomser um Bekanntgabe des konkreten betroffenen Kunden, „damit wir dies prüfen können.“ Interne oder externe Untersuchungen wegen möglicher Pflichtverletzungen habe es laut Glomser nicht gegeben. Auch externe Prüfungen oder Audits seien nicht veranlasst worden: „Es bestehen keine Anhaltspunkte, die eine externe Prüfung oder ein Audit erforderlich machen würden.“
Rechtliche Schritte und Insolvenzantrag
Einzelne Unternehmen prüfen nach exxtra24-Informationen zivil- und strafrechtliche Schritte. Intern werde die Einbringung von Anzeigen gegen Verantwortliche erörtert – im Zusammenhang mit Vermögensverwaltung und Vertragsabwicklung. Sollte bis Ende des Monats keine Klärung offener Forderungen erfolgen, werde zumindest ein großer Baukonzern die Möglichkeit eines Insolvenzantrags prüfen.
Glomser wies auch das zurück. Auf die Frage nach einer Insolvenzgefahr erklärte sie gegenüber exxtra24:
„Die öGIG ist ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen, das seinen Wachstumskurs in Österreich weiterhin konsequent verfolgt. Es besteht keine Insolvenzgefahr. Es liegen auch keine Umstände vor, die einen Insolvenzantrag durch Gläubiger oder Vertragspartner sachlich rechtfertigen würden.“
Hinweise auf geplante Strafanzeigen seien dem Management nicht bekannt.
Zur Frage, bis wann die öGIG mit einer Klärung offener Forderungen rechne, erklärte Glomser: „Offene Forderungen werden wie üblich in der dafür vorgesehenen Zahlungsfrist geleistet. Bei festgestellten Mängeln oder offenen Klärungspunkten erfolgt eine Zahlung nach ordnungsgemäßer Prüfung und Bereinigung. Unsere laufenden Projekte befinden sich in einem geordneten Zustand und werden planmäßig weitergeführt.“
Investitionen und Marktposition
Auf die Frage nach dem tatsächlich investierten Kapital und möglichen wirtschaftlichen Risiken gab sich Glomser gegenüber exxtra24 zuversichtlich: „Die Investitionssumme bewegt sich auf dem Niveau des Vorjahres. Die Investitionen erfolgten auf Basis langfristiger Ausbau- und Wirtschaftlichkeits-Überlegungen und sind aus heutiger Sicht nachhaltig, wirtschaftlich begründet und werthaltig.“ Die öGIG halte mit einem FTTH-Marktanteil von 11,6 Prozent Rang zwei im österreichweiten Ranking und leiste „einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung in diesem Land.“
Allianz verweist auf öGIG
Parallel zu den Fragen an die öGIG wandte sich exxtra24 auch an die Allianz als Mutterkonzern. Die Allianz verwies darauf, Fragen dieser Art nicht selbst beantworten zu können, und leitete die Anfrage an die öGIG weiter. Eine inhaltliche Stellungnahme der Allianz zur wirtschaftlichen Lage ihrer Tochtergesellschaft blieb damit aus – Fragen zum Fragenkomplex Allianz beantwortete Glomser mit dem Hinweis: „Wie schon bei Ihrer letzten Anfrage festgehalten, können wir ausschließlich Fragen zur öGIG beantworten.“
Die Widersprüche zwischen den Darstellungen aus der Bauwirtschaft und den Antworten des öGIG-Managements sind damit offen dokumentiert. Die kommenden Wochen werden zeigen, welche Version der Realität standhält.
Credits: KI-generiert
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