Ein neues Factsheet des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) zeigt: Bei der Arbeitsmarktintegration von geflüchteten Frauen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak hat sich trotz teils jahrelangem Aufenthalt in Österreich wenig verändert. Die Erwerbsquote bleibt in dieser Gruppe außergewöhnlich niedrig.
Nur 24 Prozent der Frauen erwerbstätig
Von Personen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak waren 2024 im Durchschnitt 44 Prozent erwerbstätig, wie aus dem ÖIF-Factsheet „Flüchtlinge und Schutzberechtigte in Arbeit“ hervorgeht. Bei den Männern lag die Erwerbstätigenquote bei 56 Prozent, bei den Frauen hingegen bei lediglich 24 Prozent – nur etwa jede vierte Frau aus diesen drei Herkunftsländern ging damit einer Beschäftigung nach. Zum Vergleich: Die Erwerbstätigenquote der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund lag im selben Jahr bei 76 Prozent, jene aller Personen mit Migrationshintergrund bei 69 Prozent.
Auch andere Herkunftsgruppen schneiden deutlich besser ab
Wie groß der Abstand ist, zeigt der Vergleich mit anderen Zuwanderergruppen: Personen mit türkischem Migrationshintergrund kamen 2024 auf eine Erwerbstätigenquote von 64 Prozent, jene aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens (außerhalb der EU) sogar auf 72 Prozent – beide Werte liegen damit deutlich über jenen für Personen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak.
Deutlich erhöhte Arbeitslosigkeit
Auch bei der Arbeitslosenquote zeigt sich ein ähnliches Bild. Während die allgemeine Arbeitslosenquote in Österreich 2025 bei 7,4 Prozent lag, betrug sie bei Personen aus Syrien rund 33 Prozent, bei Somaliern 30 Prozent und bei Afghanen 23 Prozent. Bei Frauen aus diesen Ländern fiel der Unterschied nochmals deutlicher aus: Die Arbeitslosenquote von Syrerinnen lag bei rund 43 Prozent, bei Somalierinnen bei 40 Prozent und bei Afghaninnen bei 37 Prozent.
Positive Entwicklung bei subsidiär Schutzberechtigten
Nicht alle Zahlen des Factsheets fallen negativ aus: Im Juni 2026 zeigte sich im Jahresvergleich insbesondere bei subsidiär Schutzberechtigten ein deutlicher Rückgang der Arbeitslosigkeit um 30 Prozent, während sie bei Personen mit vollem Flüchtlingsstatus um zehn Prozent sank.
Auch Aufenthaltsdauer verändert das Bild nur bedingt
Eine ergänzende ÖIF-Forschungsstudie zu Erwerbsverläufen von Migrantinnen und Migranten zeigt zudem: Selbst nach längerem Aufenthalt bleiben deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern bestehen. Bei geflüchteten Personen, die 2015/16 nach Österreich kamen, benötigten Männer im Schnitt fünf Jahre, um 75 Prozent des österreichischen Durchschnittslohns zu erreichen, Frauen hingegen sieben Jahre. Unter jenen, die länger als sieben Jahre im Land blieben, wiesen afghanische Männer nach acht Jahren eine Erwerbsbeteiligung von 82 Prozent auf – ein höherer Wert als bei syrischen Männern mit 76 Prozent.
Regionale Unterschiede innerhalb Österreichs
Auch der Wohnort spielt eine erhebliche Rolle bei der Arbeitsmarktintegration: In West- und Mittelösterreich erreichen Asylberechtigte häufiger eine Erwerbsquote von über 80 Prozent, während dieser Wert bei jenen, die sich im Osten des Landes und vor allem in Wien niederlassen, auf lediglich 59 bis 62 Prozent sinkt.
Genannte Ursachen: Sprache, Kinderbetreuung, Diskriminierung
Als zentrale Erklärungsfaktoren für die besonders niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak werden in der Berichterstattung zum Thema vor allem Sprachbarrieren, fehlende Kinderbetreuungsmöglichkeiten sowie Diskriminierung am Arbeitsmarkt genannt.
Ein Befund mit langfristiger Bedeutung
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen, dass die niedrige Erwerbsbeteiligung von Frauen aus diesen drei Herkunftsländern kein kurzfristiges Anfangsphänomen ist, sondern sich auch nach Jahren des Aufenthalts in Österreich nur langsam verändert. Für die Integrationspolitik bleibt die gezielte Arbeitsmarktintegration dieser Gruppe damit eine der größten ungelösten Herausforderungen.
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