Neunkirchen: ÖVP setzt sich in Kopf-an-Kopf-Rennen durch – blauer Höhenflug endet in Bruchlandung

Neunkirchen: ÖVP setzt sich in Kopf-an-Kopf-Rennen durch – blauer Höhenflug endet in Bruchlandung

Es war ein seltsamer Wahlkampf. Einschüchterungsversuche, Moschee-Gerüchte, scharfe Anschuldigungen und eine Erzählung des Neuanfangs prägten die vergangenen Wochen in Neunkirchen. Nicht ganz 10.000 Wahlberechtigte waren am Sonntag endlich aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Und das halbe Land schaute gespannt zu. Grund dafür war nicht zuletzt die FPÖ, die ihre pragmatischen und konstruktiven Gemeinderäte aus der Partei ausschloss – nachdem diese sogar mutmaßlich durch FPÖ-Granden mit Hausbesuchen und wilden Einschüchterungsversuchen auf (Kickl-)Parteilinie gebracht werden sollten. 

Im Wahlkampf fuhren die neu formierten Freiheitlichen mit Landesgeschäftsführer Fiedler an der Spitze dann schwere Geschütze auf. Praktisch alles, was Rang und Name hat, boten sie auf: die beiden Generalsekretäre Schnedlitz und Hafenecker, Autor Grosz, Landeshauptfrau-Stellvertreter Landbauer, Nationalratsabgeordnete genauso wie Landtagsabgeordnete – die Aufzählung lässt sich scheinbar unendlich fortsetzen. Groß schien die Hoffnung, Neunkirchen mit brachialer Herangehensweise zur blauen Bastion zu drehen. 

Statt einer ausgelassenen Feier gab es am Wahlabend dann aber lange Gesichter. Von allen Parteien büßte die FPÖ mit 2 Mandaten am meisten Stimmen ein. Spitzenkandidat Fielder zeigte sich sichtlich geknickt, der Wählerwille sei aber zu respektieren. 

Die Neunkirchner haben also ein Machtwort gesprochen und dem mittlerweile erfolgsverwöhnten Parteichef Kickl mitsamt seiner Gefolgschaft einen herben Dämpfer verpasst. Denn seit Jahren legen die Freiheitlichen bei Wahlen Stück für Stück zu. Ausgerechnet in Neunkirchen endet der blaue Höhenflug nun aber in einer Bruchlandung.

Stattdessen duellierten sich ÖVP und SPÖ in einem beispiellosen Kopf-an-Kopf-Rennen bis zum Schluss um den Wahlsieg. Durchgesetzt hat sich schlussendlich die Volkspartei – mit neun Stimmen Vorsprung denkbar knapp. Eindeutiger gestaltet sich das Vorzugsstimmenergebnis, das Bürgermeister Peter Teix mit 907 Stimmen klar für sich entscheidet. Teix stellt daher noch am Wahlabend den Führungsanspruch. Er spricht davon, mit allen Parteien Gespräche führen zu wollen, „damit in Neunkirchen rasch wieder für unsere Stadt gearbeitet werden kann.

SPÖ-Spitzenkandidat Günther Kautz sieht ein „blödes Ergebnis“, unterliegt er doch zum wiederholten Mal seinen Kontrahenten. Trotzdem möchte er eigenen Angaben zufolge in den Gemeinderat einziehen. Für wie lange, bleibt abzuwarten. Trotz Niederlage kann er sich auch ein Spiel der freien Kräfte im Gemeinderat vorstellen.

Dass die Koalitionsverhandlungen schwierig werden könnten, zeigen auch Aussagen der Freiheitlichen vom Montag. Fiedler und Landesparteisekretär Murlasits sehen die Tür zu einer schwarz-blauen Zusammenarbeit für die FPÖ geschlossen und kritisieren die ÖVP.  Vorausgegangen waren dem Aussagen von VPNÖ-Landesgeschäftsführer Zauner und Generalsekretär Marchetti, die im Wahlausgang ein blaues Auge für die FPÖ sahen. Dabei war es gerade die FPÖ, die in den Wochen davor mit scharfer Rhetorik auffiel. 

Wer schlussendlich ins Rathaus einzieht, werden die kommenden Wochen zeigen. Bürgermeister Teix hat sich jedenfalls die Poleposition gesichert.

Credits: Von C.Stadler/Bwag – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=80245943

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