Neue Stromrechnung in Österreich: Mehr Transparenz, weniger Kauderwelsch

Neue Stromrechnung in Österreich: Mehr Transparenz, weniger Kauderwelsch

Wer seine Stromrechnung bisher kaum verstanden hat, soll künftig auf einen Blick sehen, was er zahlt – und wie er sparen kann. Die Regierung hat nachgebessert.

Was sich konkret ändert

Wie oe24.at unter Berufung auf das Energieministerium und die Regulierungsbehörde E-Control berichtet, wird die österreichische Stromrechnung grundlegend neu gestaltet. Auf Basis des neuen Elektrizitätswirtschafts-Gesetzes hat die E-Control eine Musterrechnung entwickelt, die ab sofort als Leitfaden für alle Stromlieferanten gilt. Die wichtigste Neuerung: Verbrauch und Rechnungsbetrag stehen künftig sofort und unübersehbar auf der ersten Seite. Zusätzlich wird direkt auf den Tarifkalkulator der E-Control hingewiesen – inklusive Sofortwechselmöglichkeit zu einem günstigeren Anbieter. Auch der aktuelle Tarif und der frühestmögliche Wechseltermin müssen künftig klar ausgewiesen werden.

Minister verspricht hunderte Euro Ersparnis

Wie oe24.at berichtet, erklärte Energieminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP), mit dem sogenannten Billigstromgesetz wolle man es leichter machen, die Stromrechnung zu senken. Wer vergleiche und wechsle, könne oft mehrere hundert Euro im Jahr sparen – und das dauere nur wenige Minuten. Ähnlich argumentiert Energiestaatssekretärin Elisabeth Zehetner, die die neue Rechnung als „smarten Wegweiser“ bezeichnet, der in wenigen Schritten zu einem günstigeren Anbieter führe.

Die E-Control-Vorstände Alfons Haber und Michael Strebl betonten laut oe24.at, das Thema Verständlichkeit der Stromrechnung beschäftige die Behörde seit vielen Jahren – entsprechend viel Arbeit sei in die neue Musterrechnung geflossen.

Wifo: Das eigentliche Problem liegt woanders

Parallel dazu meldet sich das Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo mit einer strukturellen Warnung zu Wort. Wie oe24.at berichtet, sieht das Institut hohe Strompreise auch als Folge des steigenden CO2-Preises: Obwohl erneuerbare Energien kaum laufende Kosten verursachen, treibt der CO2-Zertifikatspreis fossiler Kraftwerke den einheitlichen Großhandelspreis für alle in die Höhe.

Wifo-Ökonom Bernhard Kasberger spricht laut oe24.at von einem „doppelten Problem“ für Österreich: hohe Strompreise schwächen sowohl die industrielle Wettbewerbsfähigkeit als auch den Umstieg auf strombasierte Technologien. Das Institut plädiert daher für eine Reform des europäischen Strommarkts – konkret soll ab einem Schwellenwert von etwa 100 Euro je Megawattstunde eine teilweise Entkoppelung von CO2- und Strompreisen greifen, damit erneuerbare Energien nicht länger automatisch von fossilen Preisspitzen profitieren.

Die neue Musterrechnung ist ein erster Schritt in Richtung Transparenz. Die strukturellen Ursachen hoher Strompreise bleiben damit aber ungelöst – das ist Sache der europäischen Energiepolitik.

Credits: APA

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