Mit einem durchaus sinnvollen Nachrüstungsprojekt kommt nun das Bundesheer in Kritik: Die beim italienischen Hersteller Leonardo georderten 12 Aermacchi-M-346-FA-Kampfjets sollen die Eurofighter bei ihrer Tätigkeit als „Luftpolizei“ unterstützen und sind bei der Ausbildung als Trainingsjets wesentlich günstiger.
Nigeria bekommt jeden Jet um 33,3 Millionen billiger
Eine Milliarde Euro zahlt Österreichs Steuerzahler für zwölf Maschinen. Und nun deckte der bekannte Finanzexperte Christian Baha in der „Krone“ auf, dass Nigeria 24 dieser Maschinen um 1,2 Milliarden Euro bekommt. Das heißt: Jeder M-346-FA-Kampfjet für Nigeria ist um 33,3 Millionen Euro billiger als einer für Österreichs Bundesheer. Oder anders gesagt: Österreich zahlt für 12 Maschinen 400 Millionen Euro mehr als die nigerianischen Jet-Kunden.
Was jetzt wie ein typischer Korruptionskrimi aussehen könnte, muss nicht wirklich ein Skandalfall sein: Die Kampfjets für Nigeria könnten wesentlich anders (und günstiger) bestellt worden sein. Was wiederum die Frage aufwerfen würde: warum hat dann Österreich, das eine gewaltige Budgetkrise hat, die teurere Luxus-Version geordert?
Auch Polen zahlt pro M-346-Jet 54,55 Millionen Euro weniger
Und noch ein Faktum ist nicht wirklich entlastend für die Bestellungs-Verantwortlichen im Verteidigungsministerium: Auch die polnischen Luftstreitkräfte haben Aermacchi M-346-FA-Kampfjets bestellt – und zwar nur vier Stück zum Paketpreis von 115 Millionen Euro. Also um 28,75 Millionen Euro, wie Finanzexperte Christian Baha vorrechnet – die Polen zahlen somit um 54,55 Millionen Euro pro Jet weniger …
Vielleicht sind die Polen noch bessere Verhandler als die Nigerianer. Kann sein. Vielleicht sind die M-346-FA-Jets für das Bundesheer die feinste AMG-Version vom italienischen Jet-Hersteller Leonardo – das kann auch sein. Alles in allem sprechen die Zahlen aber für sich.
PS: Wenn auch das Bundesheer die Jets um 400 Millionen Euro günstiger gekauft hätte, dann müsste die neue Bundesregierung keinesfalls jedem österreichischen Pensionisten 150 bis 260 Euro über die Erhöhung der Krankenversicherungsbeiträge wegnehmen – das bringt nämlich nur 270 Millionen Euro pro Jahr.
PPS: Für das Bundesministerium für Landesverteidigung hat Oberst Mag. Michael Bauer nun doch eine Stellungnahme abgegeben:
„Die Kosten für die unterschiedlichen Konfigurationen der Luftfahrzeuge sind nicht vergleichbar. Polen zb. hat sich, wie im Artikel erwähnt, für die Trainingsvariante entschieden. Die Integration der Bewaffnung verursacht einen erhöhten Entwicklungs- und Produktionsaufwand, der ebenfalls bezahlt werden muss. Zahlen zu Kosten derartiger Beschaffungen, die im Internet recherchiert werden, sind nicht aussagekräftig. Armeen kaufen Pakete (Flugzeug, Simulatoren, Missionsausrüstung, Training für Piloten und Techniker, Ersatzteile, Firmenunterstützung vor Ort oder im Backoffice). u.v.m.). Daher ist der Rückschluss auf den Kaufpreis eines einzelnen Flugzeuges ohne diese Informationen wertlos. Unsere Recherche im Internet ergab zb., dass Nigeria einen Kredit für die erste Rate der Beschaffung freigegeben hat. Dieser beläuft sich auf $ 618 Mio für 6 Flugzeuge; der Rechnung von Herrn Baha zufolge wäre der Stückpreis daher $ 103 Mio. Das Bundesheer plant eine Beschaffung bei der Italienischen Regierung. Dies bietet den Vorteil einer Preisreduktion, die bei einem Direktkauf nicht möglich wäre.“
Update um 19.15 Uhr
Parmenion
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