Trotz ausdrücklicher Bitte von US-Präsident Trump hat Israel in der Nacht auf Montag militärische Ziele im Iran angegriffen. Was als bröckelnde Waffenruhe begann, droht nun zu einem offenen Krieg zu werden.
Die Nacht, in der alles eskalierte
Die Eskalationsspirale begann am Sonntag. Israel griff laut Times of Israel die südlichen Vororte Beiruts an — als Reaktion auf Angriffe der Hisbollah auf Nordisrael. Der Iran hatte zuvor gewarnt, genau das als neue Eskalation zu werten. Die Warnung war ernst gemeint: In der Nacht feuerte Teheran erstmals seit dem 8. April wieder ballistische Raketen auf Israel. Das israelische Militär aktivierte die Luftabwehr und meldete erfolgreiche Abfangmanöver. Laut oe24.at wurde eine 79-jährige Frau verletzt, als sie in einen Schutzraum eilte. Schulen in ganz Israel wurden für Montag geschlossen.
Israel greift zurück — trotz Trump
US-Präsident Donald Trump hatte Netanyahu in einem Telefonat ausdrücklich aufgefordert, auf Gegenschläge zu verzichten. „Israel hat genug reagiert“, zitiert ihn der israelische Sender Kan laut oe24.at. Trump sagte laut Fox News, er wolle den Iran zu einem Abkommen bewegen: „Was ich dem Iran raten würde: Ihr habt eure Raketen abgefeuert, das reicht. Kehrt an den Verhandlungstisch zurück.“
Israel ignorierte die Bitte. Wie die IDF auf Telegram bestätigte und der Jerusalem Post zu entnehmen ist, griff die israelische Luftwaffe in den frühen Morgenstunden des Montag militärische Ziele im Westen und Zentrum des Irans an. Axios berichtet unter Berufung auf einen US-Verteidigungsbeamten, die Schläge seien „relativ begrenzt“ in ihrem Umfang gewesen — und die USA waren nicht beteiligt. Irans Revolutionsgarden bezeichneten die Angriffe als mit luft-gestützten ballistischen Raketen ausgeführt.
Jordanien im Kreuzfeuer — Huthi schießen mit
Die regionalen Konsequenzen sind sofort spürbar. Mehrere iranische Raketen drangen laut oe24.at in den jordanischen Luftraum ein. „Jordanien wird nicht zulassen, dass sein Gebiet oder sein Himmel in ein Schlachtfeld verwandelt werden“, erklärte ein Regierungssprecher in Amman. Der Iran, der Irak und Syrien sperrten ihren Luftraum. Eine Stunde nach den israelischen Schlägen feuerten laut Times of Israel auch die Huthi-Miliz aus dem Jemen eine ballistische Rakete auf Zentralisrael ab — der erste Angriff aus dem Jemen seit dem Waffenstillstand vom 8. April.
Einordnung: Kalkuliertes Risiko oder Fehleinschätzung?
Iran-Expertin Holly Dagres beschreibt die iranischen Raketenangriffe laut oe24.at als „kalkulierten Schachzug, um die USA zu Zugeständnissen zu bewegen.“ Teheran wisse, dass Trump eine Wiederaufnahme des Krieges vermeiden will. „Doch dies war ein echtes Risiko mit großem Spielraum für Fehleinschätzungen“, schreibt sie.
Genau diese Fehleinschätzung könnte nun eingetreten sein. Wie NBC News berichtet, hatte ein US-Beamter noch Stunden vor den israelischen Schlägen erklärt, er erwarte keine unmittelbare israelische Vergeltung. Israel handelte trotzdem. Trump, der auf ein Rahmenabkommen mit Teheran hofft, steht nun vor dem Dilemma: Einen Verbündeten öffentlich zurückpfeifen — oder zusehen, wie sein diplomatisches Projekt zerbricht.
Credits: Von The White House – https://www.flickr.com/photos/202101414@N05/54640735856/, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=170764772
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