Neu entdeckte NSDAP-Kartei: FPÖ-Spitze bestand anfangs komplett aus Ex-Nazis

Neu entdeckte NSDAP-Kartei: FPÖ-Spitze bestand anfangs komplett aus Ex-Nazis

Dass ehemalige Nationalsozialisten bei der Gründung der FPÖ vor rund 70 Jahren eine wichtige Rolle spielten, ist historisch bekannt. Wie hoch die tatsächliche Dichte an früheren NSDAP-Mitgliedern in der blauen Parteiführung der ersten Jahre tatsächlich war, zeigen nun neu ausgewertete Dokumente in einem noch drastischeren Ausmaß als bisher angenommen.

Was die Recherche zeigt

Laut Recherchen des deutschen Wochenmagazins „Spiegel“ bestand die Führung der FPÖ in ihren Anfangsjahren zeitweise ausschließlich aus ehemaligen NSDAP-Mitgliedern. Konkret finden sich alle vier Mitglieder des sogenannten Proponentenkomitees, das die Partei zunächst provisorisch führte, in der Mitgliederkartei der NSDAP wieder. Dasselbe gilt für jenes Quartett, das nach dem ersten Parteitag im April 1956 die Kontrolle übernahm. Auch ein personeller Wechsel im Jahr 1958 brachte lediglich ein weiteres ehemaliges NSDAP-Mitglied in die Parteiführung. Ausgewertet wurde dafür die Mitgliederkartei der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, die vom US-Nationalarchiv veröffentlicht wurde.

Lücken im offiziellen Historikerbericht

Besonders brisant sind die Ergebnisse mit Blick auf den 2019 von der FPÖ selbst präsentierten Historikerbericht, an dem Experten bereits damals Kritik geäußert hatten. Die neuen Recherchen bestätigen diese Kritik nun mit konkreten Namen: Mehrere Parteifunktionäre, die im Bericht entweder als „Unparteiische“ bezeichnet oder gar nicht erst erwähnt wurden, tauchen in der NSDAP-Kartei auf. So wurde etwa Franz Rainer, der Vorsitzende des FPÖ-Gründungskomitees, kurz nach dem „Anschluss“ 1938 Mitglied der Hitler-Partei. Der spätere steirische FPÖ-Landesparteichef Alexander Götz senior war bereits 1933 beigetreten – also schon vor dem Verbot der NSDAP in Österreich. Auch die im Historikerbericht nicht erwähnte spätere FPÖ-Bundesfrauenleiterin Wilma Jobst trat 1938 der Partei bei.

Ein historischer Kontext, der bereits bekannt war

Ganz neu ist die Verbindung zwischen früherem Nationalsozialismus und FPÖ-Gründung damit nicht: Bereits der erste Parteiobmann der FPÖ, Anton Reinthaller, war ein ehemaliger NS-Funktionär und SS-Offizier. Die Partei selbst wurde 1956 als Nachfolgeorganisation des kurzlebigen „Verbands der Unabhängigen“ (VdU) gegründet und positionierte sich damals programmatisch als Vertretung deutschnationaler und nationalliberaler Kräfte, ohne sich öffentlich als rechtsextrem zu präsentieren.

Der Auslöser der ursprünglichen Aufarbeitung

Anlass für die Auseinandersetzung der FPÖ mit den eigenen historischen „braunen Flecken“ war ursprünglich der Skandal um antisemitische Texte im Liederbuch der Burschenschaft des heutigen niederösterreichischen Vize-Landeshauptmanns Udo Landbauer, der 2018 öffentlich wurde. In der Folge beauftragte die Partei den nun in seiner Vollständigkeit infrage gestellten Historikerbericht.

Scharfe Kritik von der SPÖ

Die neuen Erkenntnisse riefen umgehend politische Reaktionen hervor. Der „sogenannte Historikerbericht“ sei das Papier nicht wert, kritisierte die SPÖ am Freitag und sah sich in ihrer Einschätzung bestätigt, wonach die FPÖ bis heute ein „Rechtsextremismus-Problem“ habe. SPÖ-Bundesgeschäftsführer Klaus Seltenheim erklärte in einer Aussendung, die FPÖ kappe trotz laufender Skandale und Enthüllungen ihre Verbindungen zum Rechtsextremismus bis heute nicht – ein Verweis, der sich auch auf aktuelle Kontakte von FPÖ-Mitarbeitern zur Identitären Bewegung bezieht, über die zuletzt wiederholt berichtet wurde.

Credits: Bild KI-generiert

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