Ein Bild auf einem Parteitruck, ein KI-generierter Kuss zwischen Kickl und Putin — und eine FPÖ, die ausgerechnet wegen einer Bildmanipulation empört ist. Die Ironie dabei ist nicht zu übersehen.
Was auf dem NEOS-Truck zu sehen war
Bei der Regenbogenparade am 13. Juni in Wien fuhren die NEOS mit einem Truck mit. Darauf prangte laut oe24.at ein großes Bild: FPÖ-Chef Herbert Kickl beim innigen Kuss mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Das Bild ist offensichtlich KI-generiert oder anderweitig bearbeitet — eine politische Provokation, die die NEOS bewusst auf der größten Demonstration Österreichs platzierten.
FPÖ: „Heuchelei und Doppelmoral“
Die Reaktion der FPÖ ließ nicht lange auf sich warten. FPÖ-Generalsekretär und Mediensprecher Christian Hafenecker bezeichnete das Verhalten der Pinken laut oe24.at als „an Heuchelei und politischer Verlogenheit nicht mehr zu überbieten“. Sein Kernvorwurf: Die NEOS hätten in der vorangegangenen Nationalratssitzung noch vor „KI-unterstütztem Rufmord“ und Deepfakes gewarnt — und nutzten nun selbst eine manipulierte Bilddarstellung, um den Chef der stärksten Partei im Land „in den Schmutz zu ziehen.“
Hafenecker zog auch die Causa Meinl-Reisinger heran: Wenn die NEOS-Chefin bei politischer Kritik an ihrer Person sofort klagend reagiere, aber selbst solche Bilder auf einem Parteitruck zeige, messe sie „eindeutig mit zweierlei Maß.“
EINORDNUNG DER REDAKTION
Beide Seiten haben hier einen Punkt — und beide haben keinen vollständig sauberen Stand. Die NEOS nutzen ein manipuliertes Bild eines politischen Gegners als Kampfmittel auf einer öffentlichen Veranstaltung. Hafeneckers Kernvorwurf ist sachlich nicht falsch: Wer in einer Nationalratssitzung vor KI-gestütztem Rufmord warnt und wenige Tage später einen gefakten Kuss zwischen dem politischen Gegner und Putin auf einem Parteitruck zeigt, liefert tatsächlich eine Steilvorlage für den Doppelmoral-Vorwurf. Der Unterschied zwischen politischer Satire und gezielter Bildmanipulation ist fließend — aber die NEOS haben ihn bewusst ausgereizt. Auf der anderen Seite ist die FPÖ-Empörung nicht ganz ohne Eigeninteresse. Die Aussage, Kickl stehe Putin nahe, ist keine absurde Erfindung — sie ist eine politische These, die in der österreichischen Innenpolitik seit Jahren diskutiert wird, gestützt auf Kickls Aussagen zu Russland und zur NATO. Das Bild ist eine Zuspitzung dieser These — keine Falschbehauptung über belegbare Tatsachen wie einen tatsächlich stattgefundenen Kuss. Was bleibt: Politische Bildprovokation ist legitim — aber wer Deepfakes als Gefahr für den Diskurs bezeichnet, sollte dabei konsequent sein.
Credits: Parlamentsdirektion, Johannes Zinner
Neueste Kommentare