NEOS wollen Studiengebühren fast verdreifachen

NEOS wollen Studiengebühren fast verdreifachen

Mit einem umfassenden Forderungspapier gehen die NEOS in die Verhandlungen zur Hochschulstrategie 2040. Im Zentrum steht dabei eine spürbare Anhebung der Studiengebühren – für Drittstaatsangehörige sogar auf mehr als das Dreifache.

Der Fahrplan bis 2027

Unter Federführung des Wissenschaftsministeriums soll die neue Hochschulstrategie 2040 bis Ende des ersten Quartals 2027 erarbeitet werden. Bei einer eigenen Klausur haben die NEOS nun ein Positionspapier ausgearbeitet, mit dem sie in die entsprechenden Verhandlungen gehen.

Mehr Druck bei der Mindeststudienleistung

Ein zentraler Punkt betrifft die Verbindlichkeit im Studium. Seit dem Studienjahr 2022/23 müssen Studienanfänger in Bachelor- und Diplomstudien innerhalb der ersten zwei Studienjahre Lehrveranstaltungen im Ausmaß von 16 ECTS-Punkten absolvieren, sonst verlieren sie die Zulassung im betreffenden Fach. Die NEOS schlagen nun „mindestens“ eine Verdoppelung auf 32 ECTS-Punkte vor. NEOS-Wissenschaftssprecherin Martina von Künsberg Sarre begründet den Vorstoß in einer Aussendung mit den aktuellen Studienerfolgsquoten: „Heute beenden nur 21 Prozent der Studierenden ihr Bachelorstudium in der Regelzeit. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die faktische Studiendauer auf ein international übliches Maß angleichen.“ Begleitet werden soll die Verschärfung von einem besseren Betreuungsverhältnis und einem gesicherten Zugang zu Lehrveranstaltungen.

Fast eine Verdoppelung für EU-Studierende

Auch bei den Studiengebühren selbst wollen die NEOS ansetzen. Am grundsätzlichen Modell nachgelagerter Studiengebühren, die erst nach Studienabschluss ab einer bestimmten Einkommensgrenze fällig würden, verbunden mit höheren Stipendien, halten die Pinken zwar fest. Kurzfristig sollen aber die bereits bestehenden Gebühren für österreichische und EU-Studierende, die nach Überschreiten der Regelstudienzeit plus Toleranzsemester anfallen, von derzeit 363,36 Euro auf 700 Euro pro Semester steigen – eine Erhöhung, die laut NEOS in etwa einer Inflationsanpassung seit der Einführung im Jahr 2001 entspricht.

Drittstaatsangehörige sollen künftig 2.500 Euro zahlen

Noch deutlicher fällt die geplante Erhöhung für Studierende aus Drittstaaten aus: Statt bisher 726,72 Euro sollen sie künftig 2.500 Euro pro Semester bezahlen. Im Gegenzug ist ein erleichterter Zugang zum Arbeitsmarkt sowie gezielte Bleibeanreize für gefragte Qualifikationen und Talente vorgesehen. Beide Gebühren-Maßnahmen zusammen sollen laut von Künsberg Sarre rund 100 Millionen Euro einbringen.

IT:U soll in Linzer Uni aufgehen

Für Aufsehen dürfte auch ein weiterer Punkt des Papiers sorgen: Die NEOS wollen Doppel- und Mehrfachgleisigkeiten im Hochschulsystem durch finanzielle Anreize für Kooperationen und Zusammenschlüsse reduzieren, zudem sollen öffentlich finanzierte Privatuniversitäten in die gesamte Hochschulplanung einbezogen werden. Von Künsberg Sarre bringt das pointiert auf den Punkt: „Künftig sollen nur noch Institutionen, die ausschließlich private Mittel nutzen, auch privat heißen.“ Konkret nimmt sie dabei die oberösterreichische IT:U (Interdisciplinary Transformation University Austria) ins Visier: „Es ist außerdem nicht einzusehen, dass sich jeder Landeshauptmann mit Steuergeld irgendwelche Prestigeprojekte gönnt. Die neue IT:U in Oberösterreich etwa muss in die Kepler Universität Linz eingegliedert werden, anstatt parallele Strukturen aufzubauen.“

Zusätzliches Geld aus privaten Stiftungen

Abgerundet wird das Papier durch die Forderung nach höheren Anreizen für private Mittel, etwa aus Stiftungen. Würde man das heimische Niveau an den OECD-Durchschnitt angleichen, ließen sich dadurch nach NEOS-Berechnungen zusätzlich rund 30 Millionen Euro pro Jahr lukrieren.

Ob sich die Koalitionspartner ÖVP und SPÖ auf die teils weitreichenden Vorschläge einlassen, dürfte sich erst im Laufe der Verhandlungen zur Hochschulstrategie zeigen.

Credits: BKA-Tarek Wilde

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