Griechische EU-Abgeordnete rechnet mit von der Leyen ab

Griechische EU-Abgeordnete rechnet mit von der Leyen ab

Nur eine Minute Redezeit reichte der griechischen EU-Abgeordneten Afroditi Latinopoulou, um Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen frontal anzugreifen. Ihre Wortmeldung fiel direkt im Anschluss an von der Leyens Rede zur Lage der Union in Straßburg – während die Kommissionspräsidentin selbst im Saal saß.

Von der Leyens Bilanz zum Auftakt

Von der Leyen hatte am Mittwoch zunächst eine positive Zwischenbilanz gezogen: „Unsere Union ist stärker als je zuvor“, erklärte sie zu Beginn ihrer Rede. Angekündigt wurden dabei unter anderem schärfere Sanktionen gegen Russland, ein neuer Krisenreaktionsrahmen für die Migration sowie eine Elektrifizierungsoffensive. Zudem warnte sie vor dem „Aufstieg der Extreme“ und rief zum Kampf gegen Desinformation und „Anti-Europäer“ auf – die Sorgen der Bürger würden dabei teils gezielt „als Waffen eingesetzt, um einen Keil zwischen uns zu treiben“.

„Größte Rassistin gegenüber den Europäern“

In der anschließenden Aussprache übernahm Latinopoulou, Vorsitzende der griechischen Partei Foní Logikís („Stimme der Vernunft“) und Mitglied der Fraktion „Patrioten für Europa“, das Wort mit einem drastischen Einstieg: „Es gibt keine größere Rassistin gegenüber den Europäern als Sie.“ Den Videomitschnitt ihrer Wortmeldung veröffentlichte sie im Anschluss selbst auf der Plattform X.

Eine Abrechnung in wenigen Sätzen

In ihrer kurzen Rede warf Latinopoulou der Kommissionspräsidentin vor, Europa „mit illegalen Migranten überschwemmt“ und die Bürger „in Steuern und Bürokratie erstickt“ zu haben. Landwirte, Viehzüchter und Fischer seien ruiniert worden, zugleich schließe Europa seine Fabriken, wodurch Hunderttausende Arbeitsplätze verlorengingen. Als weitere Kritikpunkte nannte sie den „grünen Wahn“ sowie eine aus ihrer Sicht fortschreitende „Islamisierung Europas“. Als sinnbildliches Beispiel für aus ihrer Sicht verfehlte Detailregulierung nannte sie die EU-Vorgaben zu Einwegplastik: „Papierstrohhalme und festgeklebte Deckel.“ Ihr Fazit zur bisherigen Amtszeit von der Leyens fiel pointiert aus: „Sie sind nicht einfach nur Merkels beste Schülerin, Sie haben sie übertroffen.“

Verweis auf „Pfizergate“

Zum Abschluss ihrer Wortmeldung griff Latinopoulou auch die Impfstoffbeschaffung der EU-Kommission während der Corona-Pandemie auf und sprach von „begründetem Korruptionsverdacht“ im Zusammenhang mit „Pfizergate“. Hintergrund ist ein Urteil des Gerichts der Europäischen Union vom Mai 2025: Die Richter erklärten die Weigerung der Kommission für nichtig, SMS-Nachrichten zwischen von der Leyen und Pfizer-Chef Albert Bourla herauszugeben, und hielten der Behörde vor, nicht plausibel erklärt zu haben, warum sie über diese Nachrichten nicht mehr verfüge. Es ging dabei um einen Vertrag über bis zu 1,8 Milliarden Impfdosen im geschätzten Gesamtvolumen von 35 Milliarden Euro.

Vorwurf fehlender demokratischer Legitimation

Ihren letzten Vorwurf richtete Latinopoulou direkt gegen von der Leyens Regierungsstil: Diese regiere „ohne die Legitimation durch die Stimmen der europäischen Bürger, allein mit der Rückendeckung der Sozialisten.“

Eine Reaktion von der Leyens auf die konkrete Wortmeldung Latinopoulous liegt bislang nicht vor.

Credits: European Union , 2026

Teilen:
0 0 Abgegebene Stimmen
Artikel Bewertung
Abonnieren
Benachrichtigung von
guest

0 Kommentare
Älteste
Neuestes Meistgewählt
0
Ich würde mich über Ihre Meinung freuen, bitte kommentieren Sie.x