Die Partei, die den ORF entpolitisieren will, lädt Kandidaten zu einer Parteiveranstaltung. Das Ergebnis: zwei Absagen, scharfe Kritik – und ein Widerspruch, den selbst der Stiftungsratsvorsitzende nicht übersehen kann.
Was die NEOS planen
Wie oe24 berichtete, lädt das NEOS Lab am 2. Juni zu einem öffentlichen Hearing ins Wiener Funkhaus – offiziell für Bewerber auf den ORF-Generaldirektorsposten. Eingeladen werden laut NEOS-Mediensprecherin Henrike Brandstötter jene sechs Kandidaten, die die Ausschreibungskriterien am ehesten erfüllen: APA-Chef Clemens Pig, Medienmanager Markus Breitenecker und Johannes Larcher, ORF-Journalistin Lisa Totzauer sowie ORF-III-Chefin Kathrin Zierhut und exxpress-Chefin Eva Schütz.
Zwei sagen ab – mit klarer Begründung
Wie oe24 berichtete, haben Zierhut und Schütz bereits abgesagt. Zierhut knapp: „Stimmt, ich habe abgesagt.“ Schütz begründete ihre Absage gegenüber oe24 deutlicher: „Ich glaube, es wäre das völlig falsche Signal, so ein Hearing ausgerechnet im Rahmen einer Parteiveranstaltung abzuhalten.“
Westenthaler: „Das ist eigentlich skandalös“
Besonders scharf reagierte der FPÖ-nominierte Stiftungsrat Peter Westenthaler. Wie oe24 berichtete, erklärte er: „Ein wirklich unabhängiger Kandidat für den ORF-Chefposten kann niemals an einer Parteiveranstaltung und schon gar nicht im Vorfeld der Wahl teilnehmen. Damit macht er sich massiv unglaubwürdig. Die NEOS sprechen von einem unabhängigen ORF und wollen gleichzeitig Kandidaten parteipolitisch vereinnahmen. Das ist eigentlich skandalös!“ Westenthaler vermutete dahinter ein taktisches Motiv: „Offenbar will man damit knapp vor der Wahl unabhängige Stiftungsräte parteipolitisch beeinflussen.“
Auch Lederer schließt sich der Kritik an
Besonders brisant: Auch der SPÖ-nahe Stiftungsratsvorsitzende Heinz Lederer stimmte der Kritik zu – und das in einer Formulierung, die sitzt. Wie oe24 berichtete, sagte Lederer: „Wasser predigen, Wein trinken. Ausgerechnet jene Partei, die par excellence für die Entpolitisierung des ORF eintritt, hält ein Hearing als Parteiveranstaltung ab.“
NEOS kontern: „Wir sorgen für Transparenz“
Mediensprecherin Brandstötter findet die Kritik laut oe24 „völlig absurd“: Die NEOS würden mit dem Hearing für jene Transparenz sorgen, die es bei der ORF-Wahl eben nicht gebe. „Alle, die Bevölkerung, die Zivilgesellschaft können sich dann ein Bild über die Kandidatinnen und Kandidaten machen“, so Brandstötter.
Das klingt gut – hat aber einen Haken: Was die NEOS als Transparenzoffensive verkaufen, ist faktisch eine Parteiveranstaltung mit Vorauswahl durch die Partei, neun Tage vor der Stiftungsratswahl am 11. Juni. Wer kommt, riskiert, als NEOS-nah zu gelten. Wer absagt, tut das genau deshalb.
Credits: APA
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