Nach dem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte lässt Donald Trump die Maske fallen — und bringt einen alten Streit wieder auf den Tisch.
Truth Social statt Diplomatie
Die Botschaft kam nicht in einem offiziellen Statement, sondern auf Truth Social. Wie Bloomberg und die Rheinpfalz berichten, schrieb Trump nach dem Treffen mit Rutte im Weißen Haus, die NATO sei nicht da gewesen, als man sie gebraucht habe — und werde auch künftig nicht da sein. Dann folgte, wie ein beiläufig fallen gelassenes Druckmittel, die Erinnerung an Grönland — jenes „große, schlecht geführte Stück Eis“, das Trump schon zu Jahresbeginn für die USA beansprucht hatte.
Der Iran-Krieg als Auslöser
Hintergrund ist der Krieg im Iran, den die USA und Israel Ende Februar mit Angriffen auf Teheran ausgelöst hatten. Als Reaktion blockierte der Iran die Straße von Hormus — eine der zentralen Energieversorgungsrouten der Welt. Öl- und Flüssiggas aus dem Persischen Golf kamen kaum noch durch, die Weltmarktpreise stiegen rasant. Trump forderte die NATO-Partner auf, sich an der Sicherung der Meerenge zu beteiligen. Die europäischen Verbündeten lehnten ab — manche schlossen sogar ihren Luftraum für US-Militärflugzeuge.
Das erzürnte Trump nachhaltig. Wie Euronews berichtet, bezeichnete er die NATO als „Papiertiger“ und erklärte im Interview mit dem britischen Telegraph, ein Austritt der USA aus dem Bündnis sei „mehr als überdenkbar“. Außenminister Rubio und Verteidigungsminister Hegseth bekräftigten die Linie.
Truppenabzug als Druckmittel
Zu Worten gesellt sich nun auch ein konkretes Drohszenario. Wie das Wall Street Journal unter Berufung auf US-Regierungsvertreter berichtet und VOL.at aufgreift, erwägt Washington einen Truppenabzug aus jenen NATO-Ländern, die die Iran-Offensive nicht unterstützt haben. Im Raum stehen Stationierungsländer wie Deutschland und Spanien — betroffen sein könnte etwa die Ramstein Air Base, der größte US-Militärstützpunkt außerhalb der Vereinigten Staaten.
Bundeskanzler Friedrich Merz reagierte mit einer Kehrtwende: Nach Bekanntgabe der zweiwöchigen Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran erklärte er laut oe24, Deutschland werde „in geeigneter Weise“ zur Sicherung der freien Schifffahrt in der Hormusstraße beitragen. Offen blieb dabei, in welcher Form.
Grönland — das nie wirklich verschwundene Problem
Dass Trump nun Grönland wieder ins Spiel bringt, ist kein Zufall. Zu Jahresbeginn hatte er offen mit einer Übernahme der strategisch und rohstoffreich bedeutenden Arktis-Insel geliebäugelt — notfalls mit militärischen Mitteln. Wie die Rheinpfalz berichtet, erklärte Trump bei einer Pressekonferenz kurz vor dem Rutte-Treffen, es habe alles mit Grönland begonnen: Man wolle die Insel, die Dänen wollten sie nicht hergeben — und daraufhin habe er sich verabschiedet.
Grönland gehört zu Dänemark — einem NATO-Mitglied. Die dänische Regierung und die weitgehend autonome grönländische Regierung lehnen jede Übernahme strikt ab. Dänemark hatte sogar gewarnt, eine Annexion würde das Ende des westlichen Verteidigungsbündnisses bedeuten.
Rutte: „Eindeutig enttäuscht“
NATO-Generalsekretär Rutte beschrieb das Treffen im Weißen Haus — das ohne Presseöffentlichkeit stattfand — gegenüber CNN als „sehr offene Diskussion zwischen zwei Freunden“. Trump sei „eindeutig enttäuscht“ über das Bündnis und mehrere Partnerstaaten, räumte Rutte ein. Auf die Frage, ob einige Länder tatsächlich versagt hätten, antwortete er, dass das auf manche zutreffe — eine große Mehrheit der europäischen Länder habe jedoch das getan, was sie versprochen hatte.
Ein formeller NATO-Austritt der USA gilt als rechtlich äußerst schwierig: Der US-Senat müsste mit Zweidrittelmehrheit zustimmen — was als unwahrscheinlich gilt. Ob Trump die Drohung als Verhandlungstaktik einsetzt oder tatsächlich den Bruch anstrebt, bleibt vorerst offen.
Credits: APA
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