Nationalbank: Masseurinnen im Büro – während des Arbeitstags

Nationalbank: Masseurinnen im Büro – während des Arbeitstags

Die Masseurinnen kamen direkt ins Haus – also in die Österreichische Nationalbank in Wien: Dutzende Mitarbeiter ließen sich während ihrer Arbeitstage massieren. Allerdings sollen sie dafür ihre Arbeitszeit unterbrochen haben. Die ÖNB-Führung stellte diese Entspannungs-Stunden nun trotzdem ab.

In der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) herrscht derzeit weniger Entspannung als Aufregung: Eine interne Untersuchung hat einen seit Jahren praktizierten, inoffiziellen Massageservice für Mitarbeiter ans Licht gebracht – mitten im streng gesicherten Umfeld der Notenbank.

Was zunächst wie ein ungewöhnlicher, aber harmloser Zusatznutzen für gestresste Mitarbeiter der Technikabteilungen klang, entwickelte sich schnell zum internen Skandal. Über Jahre – manche sprechen sogar von zwei Jahrzehnten – kam montags regelmäßig eine Masseurin ins Nebengebäude der OeNB, wo unter anderem die Gelddruckerei, IT und Gebäudetechnik untergebracht sind. Zwischen 9 und 13 Uhr soll sie dort in einem Büro Behandlungen im Halbstundentakt angeboten haben – ganz ohne Kontrolle durch die offiziellen Gesundheitsangebote der Bank, berichtet aktuell Der Standard.

Diskret organisiert

Organisiert wurde der wöchentliche Wellnessdienst intern per E-Mail: Eine Sekretärin verschickte Listen an einen festen Kreis von 50 bis 70 Mitarbeitern, die sich Termine reservieren konnten. Bezahlt wurden die Massagen privat, und auch das Ausstempeln vor der Sitzung wurde laut Beteiligten korrekt gehandhabt – zumindest in den meisten Fällen.

Der Ursprung des Services soll auf zwei ehemalige technische Führungskräfte zurückgehen, die das Angebot einst initiierten, um den Verspannungen der IT-Mitarbeiter entgegenzuwirken. Beide sind inzwischen verstorben. Innerhalb der betroffenen Abteilungen galt die wöchentliche Massage als „offenes Geheimnis“ – außerhalb wusste offenbar lange niemand Bescheid.

Interne Ermittlungen

Die Sache flog auf, als das offizielle Gesundheitszentrum der OeNB – ausgestattet mit Betriebsärztin und Physiotherapeuten – aufhorchte: Ein Mitarbeiter hatte beiläufig erwähnt, sich regelmäßig im Nebengebäude massieren zu lassen. Die Information gelangte an die Personalabteilung, die daraufhin gemeinsam mit Mitgliedern des Direktoriums Ermittlungen aufnahm.

Die Untersuchungen führten zur Aufdeckung der Massagelisten, zur Prüfung der Zeiterfassungen und zur Einbindung des Betriebsrats. Auch mögliche disziplinarische Maßnahmen wurden geprüft. Schließlich wurde ein Mitarbeiter identifiziert, der seine Arbeitszeit trotz Massageeinsatz nicht korrekt gebucht haben soll. Die Konsequenz: eine formale Verwarnung – keine Kündigung.

Vergangene Woche zog die OeNB-Führung die Reißleine: Der Massageservice wurde eingestellt. Mehrere Führungskräfte, die vom Vorgang wussten oder zumindest davon hätten wissen können, wurden vom Direktorium deutlich zurechtgewiesen. Also eine staatliche Massage-Affäre ganz ohne „happy ending“.

Die Leitung der Notenbank ist absolut nicht begeistert über die jahrelang unkontrolliert durchgeführte Praxis. Ein Banksprecher betonte gegenüber dem Standard, dass man künftig streng auf die Einhaltung interner Vorschriften achten werde.

Credit: APA

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