Der Skandal um den ehemaligen ORF-Generaldirektor Roland Weißmann geht in die nächste Runde. Während der Ex-Chef Millionen vom Sender fordert, holt nun jene Frau zum Gegenschlag aus, die ihm sexuelle Belästigung vorwirft.
Wie das Nachrichtenmagazin „profil“ berichtet, will sich die betroffene Mitarbeiterin nicht mit den Ergebnissen der internen Untersuchung abfinden. Die kürzlich abgeschlossene Compliance-Prüfung war zu dem Schluss gekommen, dass im Fall Weißmann keine sexuelle Belästigung im strafrechtlichen Sinn vorliege und das Verhalten für keine Seite unerwünscht gewesen sei.
„Ich wurde sexuell belästigt“
Die Frau sieht das völlig anders und bleibt bei ihren schweren Vorwürfen. „Ich wurde sexuell belästigt“, zitiert sie das „profil“. Zwar habe es eine freundschaftliche und vertraute Beziehungsebene gegeben, aber „es gab zu keinem Zeitpunkt eine Einvernehmlichkeit in sexuell konnotiertem Zusammenhang“.
Mit Unterstützung ihrer Rechtsanwältin Sieglinde Gahleitner wehrt sich die Betroffene nun gegen das Ergebnis der Kommission. Wie „der Standard“ und die „Salzburger Nachrichten“ berichten, wird ein außergerichtliches Anspruchsschreiben an den ORF und an Weißmann vorbereitet. Die Forderungen: Schutz vor beruflichen Nachteilen, eine Abgeltung künftiger Schäden sowie 25.000 Euro Schadenersatz.
Weißmann wehrt sich und fordert Millionen
Weißmanns Anwalt Oliver Scherbaum wies die Vorwürfe umgehend zurück. Wie unter anderem die „Kronen Zeitung“ und „ORF.at“ berichten, betonte Scherbaum, dass die Compliance-Untersuchung von Fachleuten durchgeführt worden sei und eindeutig festgestellt habe, dass keine Belästigung vorliege.
Weißmann selbst geht inzwischen in die Offensive. Er plant laut übereinstimmenden Berichten, knapp vier Millionen Euro vom ORF einzuklagen. Darin enthalten sind Verdienstentgang und Schadenersatz, da er seine vom Sender avisierte Kündigung rechtlich anfechten will.
Experten streiten über die Auslegung
Während sich die Fronten verhärten, mischt sich nun auch der Anwalt des ORF-Stiftungsrats, Roland Gerlach, ein. Wie „Die Presse“ und „oe24“ berichten, hält Gerlach das Verhalten Weißmanns nach Durchsicht von Chat- und Telefonprotokollen sehr wohl für sexuelle Belästigung. Dass Weißmanns Seite die Deutungshoheit übernommen habe, sei eine bloße Meisterleistung der PR.
Interimschefin Ingrid Thurnher versuchte unterdessen, die Wogen zu glätten. Wie die „Salzburger Nachrichten“ schreiben, betonte Thurnher, dass man das persönliche Erleben der betroffenen Frau sehr ernst nehme. Dennoch müsse sie sich bei ihren Entscheidungen für den Sender auf die fachliche Expertise der Compliance-Juristen stützen.
Quellen: oe24, profil, der Standard, Salzburger Nachrichten, Kronen Zeitung, Die Presse, ORF
Credits: APA
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