Nach 30 Jahren: Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette droht neuer Prozess wegen versuchten Mordes

Nach 30 Jahren: Ex-RAF-Terroristin Daniela Klette droht neuer Prozess wegen versuchten Mordes

Die Vergangenheit holt sie endgültig ein. Der ehemaligen RAF-Terroristin Daniela Klette droht ein weiteres, massives Gerichtsverfahren. Die deutsche Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat nun offiziell Anklage gegen die 67-Jährige erhoben. Die Vorwürfe wiegen extrem schwer: Die Ermittler werfen Klette unter anderem zweifachen versuchten Mord, Beteiligung an versuchten und vollendeten Sprengstoffanschlägen sowie erpresserischen Menschenraub und besonders schweren Raub vor. Wie die Süddeutsche Zeitung, der NDR und der WDR übereinstimmend berichten, muss nun der Staatsschutzsenat des Oberlandesgerichts Frankfurt am Main entscheiden, wann genau der Prozess startet.

Sprengstoff im Golf: Der perfide Plan von Eschborn

Die Anklage dreht sich um Taten aus Klettes Zeit in der sogenannten dritten Generation der Roten Armee Fraktion (RAF). Obwohl die reine Mitgliedschaft in der Terrorgruppe längst verjährt ist, holt der Staat nun bei den konkreten Anschlägen zwischen 1990 und 1993 zum juristischen Gegenschlag aus.

Besonders brisant ist ein Vorfall aus dem Februar 1990. Damals soll Klette mit ihren Komplizen versucht haben, ein Verwaltungsgebäude der Deutschen Bank in Eschborn in die Luft zu jagen. Die Terroristen parkten einen VW-Golf mit satten 45 Kilo Sprengstoff im Kofferraum direkt in der Toreinfahrt. Laut Bundesanwaltschaft wirkte Klette aktiv am Einbau der Bombe mit. Nur weil der Zünder im letzten Moment versagte, blieben drei Sicherheitskräfte am Leben.

Kugel-Hagel auf die US-Botschaft und ein Millionenschaden

Nur ein Jahr später schlug das RAF-Kommando erneut zu. Klette feuerte laut den Ermittlern gemeinsam mit zwei weiteren Schützen von der gegenüberliegenden Rheinseite aus mit automatischen Langwaffen auf die US-Botschaft in Bonn. Mindestens 250 Schüsse fielen, 57 Projektile schlugen in das Gebäude ein und brachten 20 Menschen in akute Lebensgefahr.

Auch vor massiver Zerstörung schreckte die Gruppe nicht zurück: Im März 1993 kletterten die Terroristen über die Mauer eines neu gebauten, aber noch leeren Gefängnisses im hessischen Weiterstadt. Sie überwältigten die Wächter mit vorgehaltener Maschinenpistole, fesselten sie und brachten sie in einem Transporter weg. Danach zündeten sie mehrere Sprengsätze, die Klette selbst angebracht haben soll. Der Schaden war gigantisch und belief sich auf rund 63 Millionen Euro.

Das geheime Doppelleben der „Claudia“

Bei dem Anschlag in Weiterstadt sollen auch Klettes mutmaßliche Komplizen Ernst-Volker Staub und Burkhard Garweg beteiligt gewesen sein. Die beiden Männer sind bis heute auf der Flucht. Gemeinsam mit ihnen soll Klette zudem von 1999 bis 2016 etliche Geldtransporter überfallen haben, um das Leben im Untergrund zu finanzieren. Wegen dieser Raubzüge steht sie bereits seit Anfang März 2025 in Verden vor Gericht.

Jahrzehntelang war Daniela Klette ein Phantom. Sie lebte völlig unauffällig mitten in Berlin-Kreuzberg. Nachbarn kannten sie lediglich als die freundliche, grauhaarige Nachhilfelehrerin „Claudia“. Als Spezialeinsatzkräfte die Terroristin am 26. Februar 2024 schließlich in ihrer Wohnung festnahmen, war die Überraschung groß. Die vermeintlich harmlose Nachbarin hortete in ihren vier Wänden Pistolen, Munition und sogar schwere Kriegswaffen. Nun muss sie sich für ihre dunkle Vergangenheit verantworten.

Quellen: Süddeutsche Zeitung, NDR, WDR, Bundesanwaltschaft
Credits: APA

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