Trotz angespannter transatlantischer Beziehungen unter US-Präsident Donald Trump setzt Österreich weiter auf den Draht nach Washington. Europaministerin Claudia Bauer (ÖVP) traf am Mittwoch mehrere US-Kongressabgeordnete aus beiden großen Parteien – nur einen Tag, nachdem sie in New York einen prominenten Holocaust-Überlebenden besucht hatte.
Gespräche über Parteigrenzen hinweg
Bauer traf in Washington sowohl republikanische als auch demokratische Abgeordnete des US-Kongresses. Im Zentrum der Gespräche mit den Republikanern Greg Murphy, Joe Wilson und Andy Harris standen laut Ministerium die wirtschaftliche Zusammenarbeit sowie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Mit Murphy und der demokratischen Abgeordneten Debbie Wasserman Schultz – beide Mitglieder im parteiübergreifenden „Austria Caucus“, einer Art parlamentarischer Freundschaftsgruppe für Österreich – ging es zudem gezielt um Maßnahmen gegen Antisemitismus.
Klare Worte zum Verhältnis mit den USA
Nach den Treffen wandte sich Bauer direkt an mitreisende Journalisten. „Gerade wenn es zwischen Europa und den USA knirscht, müssen wir miteinander reden“, betonte die Ministerin und stellte klar, dass Österreich seine Kontakte nach Washington trotz „aktueller Schlagzeilen“ weiter ausbauen wolle. Bei den Gesprächen zum Ukraine-Krieg bekräftigte sie das Ziel eines dauerhaften, gerechten und umfassenden Friedens, in den Ukraine, USA und Europa aktiv eingebunden werden müssten.
Ein bewegendes Treffen am Vortag
Bereits am Dienstag hatte Bauer in New York ein Treffen mit besonderer Symbolkraft absolviert: den 96-jährigen Rabbi Arthur Schneier. Der in Wien geborene Schneier musste 1938 als Kind vor den Nationalsozialisten fliehen, überlebte über Budapest den Holocaust und wanderte 1947 in die USA aus. Seit mehr als sechs Jahrzehnten wirkt er als Rabbiner der Park East Synagogue in New York und gründete die „Appeal of Conscience Foundation“, die sich weltweit für Religionsfreiheit und interreligiösen Dialog einsetzt.
„Rabbi Schneiers Lebensgeschichte berührt mich tief: Er musste als Kind aus Wien fliehen und ist Österreich dennoch verbunden geblieben“, erklärte Bauer laut einer Aussendung nach dem Treffen. Sein Lebensweg mahne dazu, jüdisches Leben in Österreich, Europa und weltweit entschlossen zu schützen und zu stärken – es müsse sicher, sichtbar und selbstverständlich sein.
Der Hintergrund: Steigende Zahlen bei Antisemitismus
Gesprochen wurde bei dem Treffen laut Ministerium über den Kampf gegen Hass im Internet, Bildungs- und Erinnerungsarbeit sowie darüber, wie verhindert werden kann, dass Jüdinnen und Juden pauschal für Entscheidungen der israelischen Regierung verantwortlich gemacht werden. Anlass für die Dringlichkeit des Themas liefern aktuelle Zahlen: Laut der Meldestelle der Israelitischen Kultusgemeinde wurden in Österreich allein im Jahr 2025 insgesamt 1.532 antisemitische Vorfälle dokumentiert – so viele wie nie zuvor seit Beginn der Erhebung. Die österreichische Nationale Strategie gegen Antisemitismus 2.0 umfasst mittlerweile 49 Maßnahmen, vom Schutz jüdischer Einrichtungen über Bildungsarbeit bis zur digitalen Prävention.
Eine viertägige Reise mit UNO-Auftritt
Die Termine in Washington und New York sind Teil einer mehrtägigen USA-Reise Bauers, die noch bis 17. Juli dauert. Höhepunkt war eine Rede beim „Hochrangigen Politischen Forum für Nachhaltige Entwicklung“ der Vereinten Nationen in New York. Auf dem weiteren Programm stehen laut Außenministerium unter anderem Gespräche zur EU-Erweiterung mit Fokus auf den Westbalkan sowie zum Schutz junger Menschen im digitalen Raum. Die Reise soll laut Ministerium auch ein Signal für die internationale Vernetzung Österreichs setzen – nicht zuletzt vor dem Hintergrund der kürzlich erfolgten Wahl Österreichs in den UNO-Sicherheitsrat für die Jahre 2027 und 2028.
Credits: BKA/Regina Aigner
Neueste Kommentare