Die EU-Kommission setzt auf kleine Kernreaktoren als Teil der europäischen Energiestrategie – und stößt damit in Österreich auf harten Widerstand. Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) hat am Sonntag seine Ablehnung bekräftigt, unterstützt von einer neuen Studie des Umweltbundesamts, die das Konzept als unwirtschaftlich und für Klimaziele ungeeignet einstuft.
Was die EU plant
Am 10. März 2026 präsentierte die EU-Kommission ihre lang erwartete SMR-Strategie. Wie die Europäische Kommission auf ihrer Website berichtet, sollen sogenannte Small Modular Reactors – kleine, modular aufgebaute Kernreaktoren – zu einem zentralen Bestandteil der europäischen Energie- und Klimapolitik werden. Erste Anlagen sollen laut Kommissionsstrategie bereits Anfang der 2030er-Jahre in Europa ans Netz gehen, die Gesamtkapazität könnte bis 2050 auf bis zu 53 Gigawatt wachsen.
Kernstück der Finanzierung ist laut trending topics eine temporäre Aufstockung des InvestEU-Programms um 200 Millionen Euro bis 2028. Das Geld soll als Risikoabsicherung dienen und private Investitionen in erste kommerzielle SMR-Einheiten mobilisieren. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, die die Strategie beim Atomgipfel in Paris präsentierte, bezeichnete die Abkehr von der Kernenergie laut Nuklearforum Schweiz als „strategischen Fehler“ und strebt an, Europa zu einem globalen Zentrum der nächsten Kernkraftgeneration zu machen.
Österreichs Gegenangriff: UBA-Studie rechnet ab
Österreich hält dagegen – und hat dafür nun wissenschaftliche Rückendeckung. Wie heute.at berichtet, hat das Umweltministerium das Umweltbundesamt (UBA) mit einer Studie zu den Rahmenbedingungen für SMRs in den Euratom-Mitgliedstaaten beauftragt. Das Ergebnis ist eindeutig: Ein breiter und wirtschaftlicher Einsatz von SMRs in Europa ist laut UBA frühestens in den 2040er-Jahren realistisch – und selbst das bleibt fraglich. Derzeit ist kein einziger SMR in Europa in Betrieb oder im Bau. Projekte außerhalb Europas zeigen laut UBA deutliche Kostensteigerungen und Verzögerungen. Im Vergleich zu erneuerbaren Energien seien SMRs „deutlich teurer und wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig“.
Totschnig: „Nicht nachvollziehbar“
Umweltminister Totschnig bringt seinen Standpunkt laut oe24.at klar auf den Punkt: „Small Modular Reactors sind weder eine rasch verfügbare noch eine wirtschaftlich sinnvolle Lösung für die aktuellen klima- und energiepolitischen Herausforderungen Europas.“ Es sei „nicht nachvollziehbar, dass die EU-Kommission auf eine Technologie setzt, die erst entwickelt werden muss, während sichere, kostengünstigere und sofort verfügbare erneuerbare Alternativen bereits heute zur Verfügung stehen.“ Österreich lehne die Finanzierung von SMRs mit EU-Geldern daher ab und setze stattdessen auf den Ausbau erneuerbarer Energien. Zudem fordert Wien laut oe24.at, dass für SMRs dieselben hohen Sicherheitsanforderungen gelten müssen wie für große Kernkraftwerke.
Europa gespalten
Österreich steht mit seiner ablehnenden Haltung nicht allein – aber in der Minderheit. Wie der Tagesspiegel berichtet, schloss auch der deutsche Umweltminister Carsten Schneider (SPD) eine Rückkehr zur Atomkraft aus. Die Mehrheit der EU-Mitgliedstaaten hingegen – darunter Frankreich, Polen und mehrere osteuropäische Länder – unterstützt die SMR-Strategie der Kommission aktiv. Laut EU-Kommission werden bis 2050 Investitionen von rund 241 Milliarden Euro in die europäische Kernenergie benötigt, wie trending topics berichtet.
Credits: APA
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