Die Bundeswehr rekrutiert so viele Minderjährige wie nie zuvor. Nach neuesten Zahlen aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine schriftliche Anfrage der Linken waren im Jahr 2025 erstmals mehr als 3.000 Soldaten bei Dienstbeginn erst 17 Jahre alt – ein historischer Höchststand seit Beginn der Datenerfassung 2011. (n-tv.de berichtet dazu aktuell.)
Rekorde und Zahlen
Laut den offiziellen Angaben waren 3.131 der neuen Rekruten im vergangenen Jahr minderjährig, was einem Anteil von 12,5 Prozent aller neu eingestellten Soldaten entspricht. Im Vorjahr lag diese Zahl bei rund 2.203 Personen (10,9 Prozent), 2023 bei 1.996 (10,6 Prozent). Damit steigt der Anteil von Minderjährigen in der Truppe seit mehreren Jahren kontinuierlich an.
Von den Minderjährigen traten 2.690 junge Männer und 441 junge Frauen den Dienst bei der Bundeswehr an. Zugleich verließen 638 Minderjährige die Truppe vorzeitig, teils freiwillig, teils durch Entlassung – darunter auch Frauen.
Rechtliche Lage und Kritik
In Deutschland ist es erlaubt, mit 17 Jahren freiwillig bei der Bundeswehr einzutreten, wenn das 18. Lebensjahr kurz bevorsteht und die Erziehungsberechtigten zustimmen. Dies ist auch international nicht ungewöhnlich; zahlreiche Armeen weltweit erlauben den freiwilligen Dienst ab 17 Jahren. Allerdings wird diese Praxis von Kinderschutzorganisationen und Menschenrechtsgruppen kritisch gesehen, weil sie dem sogenannten „Straight-18-Standard“ widerspricht, den über 150 Staaten einhalten und der militärischen Dienst erst mit 18 vorsieht.
Kritik aus der Politik
Politisch sorgt der Anstieg für Streit. Heidi Reichinnek, Vorsitzende der Linksfraktion im Bundestag, bezeichnete die Entwicklung als „fatal“ und warf der Bundesregierung vor, gezielt Minderjährige durch Werbung an Schulen und in sozialen Medien anzusprechen. Sie kritisiert darüber hinaus, dass ein erheblicher Teil der Minderjährigen die Truppe vorzeitig verlässt und verweist auf Vorfälle wie den sogenannten Zweibrücken-Skandal, bei dem es in einem Bundeswehr-Regiment zu rechtsextremistischen und sexuellen Vorfällen kam, bei denen auch eine minderjährige Soldatin betroffen war.
Befürworter weisen darauf hin, dass der freiwillige Dienst ab 17 Jahren für viele junge Menschen eine frühe Berufsperspektive biete und die Bundeswehr angesichts von Personalbedarf und demografischen Herausforderungen versuchen müsse, genügend Bewerber zu gewinnen.
Einordnung
Seit 2011, als Deutschland die Wehrpflicht aussetzte, ist die Bundeswehr auf freiwillige Rekrutierung angewiesen und hat wiederholt betont, junge Menschen früh für eine militärische Laufbahn zu gewinnen. Die Rekrutierung Minderjähriger ist rechtlich zulässig, aber im internationalen Vergleich mit Blick auf Kinderrechte umstritten.
Quellen:
• n-tv.de: „Zahl der Minderjährigen bei der Bundeswehr steigt auf Rekordhoch“
• WELT: Bundeswehr rekrutiert mehr als 3.000 Minderjährige
• Frankfurter Rundschau: Kritik an Bundeswehr-Rekrutierung von 17-Jährigen
• Terre des Hommes / Under-18-Never! Initiative: internationale Kritik am Einsatz von Minderjährigen
• web.de: Hintergrund und rechtliche Rahmenbedingungen zur Rekrutierung Minderjähriger
Credits: APA
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