Millionenpoker am Küniglberg: Weißmann kämpft um seine Abfindung

Millionenpoker am Küniglberg: Weißmann kämpft um seine Abfindung

Der Abgang von ORF-Generaldirektor Roland Weißmann wird für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk teuer. Sehr teuer. Rund drei Millionen Euro könnten auf den ORF zukommen – und ein Rechtsstreit vor dem Arbeitsgericht zeichnet sich ab.

Rücktritt unter Druck – und nun die Rechnung

Am Sonntag, dem 8. März, reichte Roland Weißmann kurz vor Mittag mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt als ORF-Generaldirektor ein. Auslöser waren Vorwürfe sexueller Belästigung aus dem Jahr 2022, die er über seinen Anwalt Oliver Scherbaum vehement bestreitet.

Freiwillig war der Abgang laut Scherbaum jedenfalls nicht. Wie oe24 berichtet, ließ der Anwalt verlauten, Weißmann sei „nicht freiwillig zurückgetreten“ – ihm sei vom Stiftungsrat eine Frist von wenigen Tagen gesetzt worden, um seinen Abgang zu erklären, ohne dass die Vorwürfe inhaltlich geprüft worden seien. Weißmanns Anwalt hält fest: „Mein Mandant wurde vom Stiftungsrat darüber in Kenntnis gesetzt, dass ihm von einer Mitarbeiterin unangemessenes Verhalten zu Beginn seiner Amtszeit als Generaldirektor vorgeworfen wird.“

Drei Millionen Euro oder Arbeitsgericht

Jetzt geht es ums Geld. Wie oe24 erfuhr, ist Weißmann derzeit bei vollen Bezügen beurlaubt – er bezieht also vorerst weiterhin seine Generaldirektoren-Gage von rund 35.000 Euro im Monat.

Weißmann fordert eine Vollauszahlung seines Vertrags, der noch bis Ende 2026 lief – und er besitzt zusätzlich noch einen älteren Vertrag aus seiner Zeit als ORF-Journalist und -Manager, auf den er ein Rückkehrrecht hat. Im Raum steht zunächst ein Jahresgehalt als Abfindung – das wären 427.000 Euro. Doch aus dem Umfeld von Weißmann ist zu hören: „Damit wird er sich nicht zufrieden geben.“ Laut oe24 soll die Gesamtforderung bei rund drei Millionen Euro liegen.

Aus ORF-Kreisen heißt es, die Chance auf eine sofortige Entlassung Weißmanns wurde vom Stiftungsrat vertan – sie hätte nur unmittelbar ausgesprochen werden können. Nun müsse man sich einigen, oder die Causa lande vor dem Arbeitsgericht. Dort stünden seine Chancen „nicht schlecht“, denn Weißmann war mehr als 20 Jahre im Unternehmen tätig.

Strafanzeigen gegen Lederer und Strobl?

Der Fall hat noch eine weitere Eskalationsstufe. Wie oe24 berichtet, erwägt Weißmann Strafanzeigen gegen ORF-Stiftungsratschef Heinz Lederer sowie gegen ORF-Manager Pius Strobl. Lederer hatte öffentlich erklärt, es liege „Schrift-, Ton- und Bildmaterial“ vor, das den Vorwurf der sexuellen Belästigung „darstellen“ lasse – was Weißmanns Anwalt als massive Verletzung der Persönlichkeitsrechte seines Mandanten wertet.

Strobl seinerseits war schon vor Weißmanns Rücktritt in den Schlagzeilen: ORF-Kaufmännische Direktorin Eva Schindlauer gab im Stiftungsrat bekannt, dass es dabei um eine Zusatzpension von 2,4 Millionen Euro als Einmalzahlung geht – Geld, für das der ORF sogar schon eine Rücklage gebildet hat.

Thurnher übernimmt, Neustart im August

Ingrid Thurnher, bisherige Radiodirektorin und langjährige „ZiB-2″-Moderatorin, übernimmt die Führung des ORF interimistisch. Der ordentliche Neustart ist für den Sommer geplant: Der Generaldirektoren-Posten soll im Mai ausgeschrieben werden, die Wahl ist für den 11. August angesetzt.

Weißmann, der als sicherer Kandidat für eine zweite Amtszeit gegolten hatte, ist aus dem Rennen. Der Küniglberg bleibt vorerst eine Baustelle – finanziell wie politisch.


Quellen:

  • oe24.at, 15./16. März 2026
  • profil.at, 9. März 2026
  • orf.at (news.ORF.at), 10. März 2026
  • newsflix.at, 15. März 2026
  • vol.at, 13. März 2026
  • falter.at, 12. März 2026

Credits: APA

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