Sichtlich gealtert und abgemagert erschien der ehemalige österreichische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer vor dem Wiener Handelsgericht. Es geht um enorm viel Geld, genauer gesagt um fast fünf Millionen Euro. Der Masseverwalter der insolventen Signa Holding will diese Summe zurück. Er wirft dem Ex-Politiker vor, Millionen kassiert zu haben, ohne dafür eine echte Leistung zu erbringen.
Der harte Kampf um die Berater-Millionen
Wie der Kurier berichtet, fordert der Insolvenzverwalter exakt 4,9 Millionen Euro von Gusenbauer zurück. Dieses Geld floss in den Jahren 2022 und 2023 als Beirats- und Beratungshonorare auf das Konto des Ex-Kanzlers und seiner Firma. Der Vorwurf der Kläger wiegt schwer: Es fehle jede nachvollziehbare Gegenleistung. Ausgerechnet im Jahr der Pleite 2023 wurde sein fixes Honorar als Beirat sogar von rund 300.000 Euro auf eine halbe Million Euro erhöht. Ein satter Bonus kam noch obendrauf.
„Öffentliches Aushängeschild“ statt Karteileiche
Gusenbauer lässt diese Vorwürfe nicht auf sich sitzen. Er betonte vor Gericht, er sei keine bloße „Karteileiche“ gewesen, sondern ein wichtiges „öffentliches Aushängeschild“ für die gesamte Immobilien-Gruppe. Laut einem Bericht des Magazins Profil legte sein Anwalt einen prall gefüllten Terminkalender vor, um die harte Arbeit seines Mandanten zu beweisen. Darin finden sich brisante Treffen: Gusenbauer sprach demnach mit dem damaligen Wirtschaftsminister Martin Kocher, Ex-Kanzler Christian Kern und hochrangigen Vertretern der Finanzmarktaufsicht. Zudem brüstet sich Gusenbauer damit, noch Anfang 2023 einen 200-Millionen-Euro-Deal mit der deutschen Schoeller Gruppe erfolgreich eingefädelt zu haben.
Wer trägt die Schuld am Ruin?
Wenn Gusenbauer so gute Arbeit geleistet hat, warum ging das Signa-Kartenhaus dann unter? Auch darauf hat der Ex-Kanzler eine schnelle Antwort. Er macht kalte Füße bei internationalen Geldgebern verantwortlich. Ein südkoreanischer Pensionsfonds habe im Sommer 2023 eine geplante Investition von 400 Millionen Euro überraschend platzen lassen. Die Angst der Koreaner vor einer europäischen Immobilienblase habe einen fatalen Engpass in der Kasse ausgelöst. Wie die Zeitung Volksfreund anmerkt, verlor Gusenbauer vor Gericht allerdings kein einziges Wort über die riskante Expansionsstrategie der Signa oder die massiv gestiegenen Zinsen.
Benko zog im Hintergrund die Fäden
Die volle Verantwortung für das Desaster sieht Gusenbauer offenbar nicht bei sich. Immer wieder bezeichnete er den Signa-Gründer René Benko vor der Richterin als das wahre „Mastermind“ der Gruppe. Alle wichtigen Investitionen, neuen Ideen und auch die millionenschweren Zahlungen an Gusenbauer selbst seien immer direkt mit Benko besprochen worden. Ob diese Verteidigung am Ende reicht, um die Millionen auf dem eigenen Konto behalten zu dürfen, wird sich in den nächsten Verhandlungsrunden zeigen.
Quellen: oe24, Kurier, Profil, Volksfreund
Credits: APA
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