Ein 33-jähriger Tschetschene, der Millionen für die Terrororganisation „Islamischer Staat“ (IS) gesammelt haben soll, wurde am Mittwoch am Wiener Landesgericht zu viereinhalb Jahren Haft verurteilt. Der Fall sorgt für Aufsehen, denn die Dimensionen der Geldflüsse sind erschreckend.
Millionen für Terror und Waffen
Wie die Oberösterreichischen Nachrichten berichten, war der Angeklagte Teil einer europaweit agierenden Gruppe, die unter dem Deckmantel der Wohltätigkeit horrende Summen für den IS sammelte. Allein über einen einzigen Spendenkanal sollen 73,5 Millionen US-Dollar (rund 62,77 Millionen Euro) geflossen sein. Der Angeklagte selbst habe laut Staatsanwaltschaft zwei bis drei Millionen Euro beigesteuert.
Das Geld wurde laut Anklage für die Unterstützung von IS-Kämpfern und deren Familien verwendet. Besonders brisant: Ein Teil der Gelder floss in den Freikauf von inhaftierten IS-Anhängerinnen, wie Heute.at berichtet. Auch Waffen für sogenannte „Foreign Fighters“ – in Syrien kämpfende Tschetschenen – wurden finanziert.
„Ich war kein Drahtzieher“
Vor Gericht gab der Angeklagte zu, an den Spendensammlungen beteiligt gewesen zu sein, betonte jedoch, er sei kein Drahtzieher gewesen. „Ich habe übertrieben“, erklärte er zu einem Chat, in dem er prahlte, Millionen gesammelt zu haben. „Wir waren ein Wohltätigkeitsfonds“, verteidigte er sich laut oe24.at. Ursprünglich sei es um humanitäre Hilfe für Frauen und Kinder in Syrien gegangen, doch die Gruppe habe später andere Ziele verfolgt.
Urteil noch nicht rechtskräftig
Das Gericht sah die Terrorbeteiligung als erwiesen an, billigte dem Angeklagten jedoch zu, keine führende Rolle gespielt zu haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, da die Staatsanwaltschaft vorerst keine Erklärung abgab.
Ein Netzwerk des Schreckens
Die Gruppe, der der Angeklagte angehörte, agierte hochprofessionell. Laut Heute.at nutzten die Mitglieder Krypto-Wallets und wechselnde Gruppen-Chats, um ihre Aktivitäten zu verschleiern. In Belgien wurde bei einem Mitglied sogar Sprengstoff gefunden, der für Anschläge verwendet werden sollte.
„Wir reden von einer ganz, ganz hohen Gefahr für Europa“, warnte der Staatsanwalt. Die Dimensionen dieses Falls zeigen, wie gefährlich solche Netzwerke sind.
Credits: APA
Neueste Kommentare