Messerangriff in Linz: Ein Toter, ein vorbestrafter Täter – und politische Forderungen

Messerangriff in Linz: Ein Toter, ein vorbestrafter Täter – und politische Forderungen

Linz, 17. März 2026. Ein 26-Jähriger ist tot, ein weiterer Mann schwer verletzt. Der mutmaßliche Täter war bereits wegen einer früheren Messerattacke verurteilt. Der Fall wirft Fragen auf – und löst eine politische Debatte über Umgang mit Gefährdern, Abschieberecht und das Gesundheitssystem aus.

Was in der Linzer Innenstadt passierte

Am Samstagabend, dem 14. März 2026, kam es in der Bismarckstraße in der Linzer Innenstadt zu einem tödlichen Messerangriff. Wie der ORF Oberösterreich und nachrichten.at auf Basis einer Polizeipressemitteilung berichten, hatte ein 34-jähriger kroatischer Staatsbürger am Nachmittag seiner Frau angekündigt, Amok laufen und jemanden töten zu wollen. Die Frau verständigte daraufhin die Polizei, die sofort eine Fahndung einleitete.

Noch während die Beamten nach dem Mann suchten, schlug er zu. Wie vienna.at unter Berufung auf Polizeiangaben berichtet, pöbelte der 34-Jährige zunächst einen ihm unbekannten Autofahrer an. Als drei junge Afghanen den Streit schlichten wollten, verfolgte er sie und attackierte einen 24-Jährigen mit einem Küchenmesser von hinten in den Halsbereich. Einem zweiten, 26-jährigen Mann, der zu Sturz kam, versetzte er einen Stich in die Brust und trat auf ihn ein. Der 26-Jährige erlag kurz darauf im Krankenhaus seinen Verletzungen. Die Schnelle Interventionsgruppe (SIG) der Polizei stellte und nahm den Täter noch am Abend in der Volksgartenstraße fest.

Mehrfach vorbestraft – auch für Messerangriff

Der Fall hat eine brisante Vorgeschichte. Wie die Staatsanwaltschaft Linz laut SN.at und vienna.at mitteilte, ist der 34-Jährige mehrfach vorbestraft: 2018 wurde er zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er damals ebenfalls in Linz einen ihm unbekannten Mann mit einem Messer attackiert und verletzt hatte. ORF Sein Vorstrafenregister umfasst laut Staatsanwaltschaft auch Drogen- und Vermögensdelikte. Beim Drogen-Schnelltest nach der Tat schlug der Test laut ORF OÖ an – der Täter dürfte Benzodiazepine und Kokain konsumiert haben, eine Kombination, die enthemmen und impulsives Verhalten verstärken kann. Der Mann beruft sich auf eine psychische Erkrankung, angeblich Schizophrenie. Ein psychiatrisches Gutachten wurde angeordnet. Ermittelt wird wegen Mordes und versuchten Mordes. Ein politisches Motiv schloss die Staatsanwaltschaft laut vienna.at vorerst aus.

Raml: Staat greift bei Gefährdern zu spät ein

Der Linzer FPÖ-Sicherheits- und Gesundheitsstadtrat Michael Raml reagierte mit scharfer politischer Kritik. In einem Interview mit exxpress.at stellte er die Frage, wie lange der Staat bei amtsbekannten Gefährdern noch zusehen wolle. Er sieht den Fall als Teil eines Musters: Menschen, die den Behörden bereits bekannt seien, würden nicht rechtzeitig gestoppt. Das gelte nicht nur für diesen Fall, sondern zeige sich regelmäßig auch bei islamistischen Anschlägen in Europa, bei denen Täter häufig bereits unter Beobachtung der Behörden standen.

Raml kritisiert dabei auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für Abschiebungen. Insbesondere Artikel 8 der Europäischen Menschenrechtskonvention – das Recht auf Privat- und Familienleben – erschwere laut Raml konsequente Abschiebungen ausländischer Straftäter. Er bringt sogar eine Diskussion über einen Austritt Österreichs aus der EMRK ins Spiel. Die Konvention sei in den 1950er-Jahren unter anderen historischen Umständen entstanden und durch die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte immer weiter ausgedehnt worden. Österreich würde durch einen Austritt nicht in einen grundrechtslosen Raum fallen, argumentiert er, da die Republik über eigene Grundrechte in der Bundesverfassung verfüge. Diese Position ist juristisch höchst umstritten und in der österreichischen Politik eine Außenseiterposition.

Drogenszene und Sozialsystem im Fokus

Raml verweist auch auf die Lage rund um den Tatort. Wie nachrichten.at in seiner ersten Stellungnahme Ramls dokumentiert, habe sich der Bereich rund um den Volksgarten und die südliche Landstraße in den vergangenen Jahren „kontinuierlich und konsequent negativ entwickelt“ – mit einer wachsenden Drogenszene, die mittlerweile auf umliegende Straßenzüge ausstrahle.

Darüber hinaus fordert Raml einen grundlegenden Umbau des Gesundheitssystems: Statt der Pflichtversicherung bei der Österreichischen Gesundheitskasse solle es eine Versicherungspflicht mit Wahlfreiheit geben – ähnlich dem deutschen Modell. Wettbewerb soll Wartezeiten verkürzen und Ambulanzen entlasten.


Quellen:

  • ORF Oberösterreich, „Messerattacke in Linz: Täter mit psychischen Problemen“, 15. März 2026: ooe.orf.at
  • ORF Oberösterreich, „Messerangriff: Mann war bereits in Haft“, 16. März 2026: ooe.orf.at
  • nachrichten.at, „Messerangriff in Linz: Täter soll geständig und psychisch krank sein“, 15. März 2026: nachrichten.at
  • Salzburger Nachrichten, „Linzer Amoklauf: Schon einmal Strafe wegen Messerattacke“, 16. März 2026: sn.at
  • vienna.at, „Mutmaßlicher Linzer Amokläufer hat Vorstrafe wegen Messerattacke“, 16. März 2026: vienna.at
  • derStandard.at, „Toter und Schwerverletzter bei Messerangriff in Linzer Innenstadt“, 15. März 2026: derstandard.at
  • exxpress.at, Interview Michael Raml (FPÖ), 16. März 2026: exxpress.at

Credits: APA

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