Der Konflikt zwischen Berlin und Washington spitzt sich weiter zu. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat am Freitag beim Deutschen Katholikentag in Würzburg eine bemerkenswerte Aussage gemacht: Er würde seinen eigenen Kindern derzeit von einem Aufenthalt in den Vereinigten Staaten abraten. Eine Aussage, die international für Aufsehen sorgt – und das transatlantische Verhältnis erneut belastet.
Merz in Würzburg: Amerika kein Ziel mehr für junge Menschen
Beim Deutschen Katholikentag stellte sich Merz, wie t-online berichtet, einer Diskussionsrunde mit jungen Menschen. Dort fielen die Worte, die nun international die Runde machen: „Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten.“ Begründung: Ein gesellschaftliches Klima, das sich dort „plötzlich“ entwickelt habe. Der bekennende Transatlantiker ergänzte laut Tagesspiegel: „Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas – meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu.“ Und weiter: „Heute haben die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten, einen Job zu finden.“
Vorgeschichte: Eine Eskalation jagt die nächste
Die Aussagen beim Katholikentag sind kein Ausrutscher, sondern der vorläufige Höhepunkt einer Serie von Spannungen. Wie ZDF heute berichtet, hatte Merz den USA zuvor vorgeworfen, „offensichtlich keine Strategie“ im Iran-Krieg zu haben, und gesagt, bei den US-Verhandlungen mit Teheran werde „eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung.“ Trump reagierte darauf laut t-online erbost und warf Merz vor, er wisse nicht, wovon er rede. Anfang Mai kündigte der US-Präsident dann den Abzug von mehr als 5.000 US-Soldaten aus Deutschland an.
Telefonat mit Trump – und kurz darauf die nächste Breitseite
Pikant am Timing: Merz hatte am selben Freitag noch mit Trump telefoniert und das Gespräch als positiv bewertet. Laut ZDF heute schrieb Merz auf X: „Wir sind uns einig: Iran muss jetzt an den Verhandlungstisch. Die Straße von Hormus muss geöffnet werden. Teheran darf keine Nuklearwaffen haben.“ Die Bundesregierung wertete das Telefonat, wie t-online berichtet, als Signal, dass Washington kein dauerhaftes Zerwürfnis anstrebe. Das Gespräch wurde allerdings noch vor dem Auftritt beim Katholikentag geführt – die USA-Warnung kam danach.
Kritik auch aus den eigenen Reihen
Merz muss sich nicht nur mit Trump auseinandersetzen. Wie t-online berichtet, beschrieb ein CDU-Mann den Führungsstil des Kanzlers in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung als konzernhaft – Ministerpräsidenten seien eben keine austauschbaren Abteilungsleiter. Beim Katholikentag räumte Merz laut Tagesspiegel selbst Kommunikationsfehler ein: „Vielleicht streiten wir im Augenblick zu viel und bringen zu wenig Ergebnisse.“
Credits: APA
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