Der Fall der Schauspielerin Collien Fernandes hat Deutschland in eine hitzige Diskussion über digitale Gewalt gegen Frauen getrieben. Im Bundestag nutzte Kanzler Friedrich Merz die Debatte für eine Aussage, die sofort für Aufruhr sorgte.
Was hinter dem Fall Fernandes steckt
Ausgangspunkt ist eine Enthüllung des Spiegel vom 19. März 2026: Die Schauspielerin Collien Fernandes wirft ihrem Ex-Mann, dem Schauspieler Christian Ulmen, vor, sie über Jahre hinweg digital missbraucht zu haben. Wie Junge Freiheit und andere Medien berichten, soll Ulmen unter falschen Profilen ihre Identität benutzt, in ihrem Namen sexualisierte Chats mit Männern geführt und pornografische Deepfakes von ihr erstellt sowie verbreitet haben. Ulmen bestreitet die Vorwürfe: Wie t-online berichtet, hat sein Anwalt rechtliche Schritte gegen die Berichterstattung angekündigt und spricht von einer „einseitigen Darstellung“. Es gilt die Unschuldsvermutung. In Spanien, wo der Beschuldigte seinen Hauptwohnsitz hat, laufen Ermittlungen – befinden sich laut Gericht aber noch in einer frühen Phase.
Wie evangelisch.de berichtet, hatte Fernandes Deutschland in einem ARD-Tagesthemen-Interview als „absolutes Täterparadies“ bezeichnet und erklärt, sie habe die Anzeige bewusst in Spanien erstattet, weil dort der rechtliche Schutz für Frauen deutlich besser sei.
Tausende auf der Straße, Politik unter Druck
Der Fall löste eine Welle der Solidarität aus. Wie netzpolitik.org berichtet, demonstrierten am 22. März rund 13.000 Menschen am Brandenburger Tor in Berlin – mit Plakaten wie „Gewalt gegen Frauen gefährdet Demokratie“. Die Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) kündigte an, rasch einen Gesetzentwurf vorzulegen, der das Herstellen und Verbreiten sexualisierter Deepfakes unter Strafe stellen soll. Wie ZDFheute berichtet, erarbeiten Politikerinnen, Aktivistinnen und Opferanwältinnen parallel dazu einen Zehn-Punkte-Plan für besseren Schutz vor digitaler Gewalt.
Merz im Bundestag: Der Satz, der alles überschattet
Am Mittwoch, 25. März, wurde Kanzler Friedrich Merz im Rahmen der Regierungsbefragung im Bundestag erstmals zu dem Fall befragt. Wie t-online berichtet, hatte ihn zunächst die Grünen-Abgeordnete Lena Gumnior aufgefordert, nicht länger zu schweigen. Merz räumte eine „explodierende Gewalt“ in der Gesellschaft ein – und fügte dann jenen Satz hinzu, der die Debatte schlagartig veränderte. Wie NiUS und exxpress berichten, sagte Merz wörtlich: „Wir haben eine explodierende Gewalt in unserer Gesellschaft, und zwar im analogen wie im digitalen Raum, und dagegen müssen wir etwas tun. Aber da müssen wir auch über die Ursachen miteinander reden. Dann müssen wir auch ansprechen, dass ein beachtlicher Teil dieser Gewalt aus den Gruppen der Zuwanderer in die Bundesrepublik Deutschland kommt. Auch das gehört zur Vollständigkeit des Bildes dazu.“
Scharfer Gegenangriff der Grünen
Die Reaktion ließ nicht lange auf sich warten. Wie t-online berichtet, warf der Grünen-Abgeordnete Robin Wagener dem Kanzler vor: „Als Mann schäme ich mich dafür, wie wenig Empathie und klare Entschlossenheit Sie angesichts der krassen sexualisierten Gewalt zum Ausdruck bringen.“ Merz nannte diesen Vorwurf laut t-online „ehrenrührig“. Gumnior legte nach und erklärte, Merz stelle ihre Expertise in Frage, weil sie eine junge Abgeordnete sei – das sei „nicht nur feige, sondern brandgefährlich für die Betroffenen.“
Die taz weist in ihrer Berichterstattung darauf hin, dass der Täter im konkreten Fall Fernandes – Christian Ulmen – aus Rheinland-Pfalz stammt und dass Täter sexualisierter Gewalt statistisch gesehen meist im sozialen Nahfeld der Opfer zu finden seien.
Was Merz als Reaktion ankündigte
Konkret stellte Merz laut t-online weitere Gesetzesänderungen in Aussicht: Ein Gesetzentwurf zur Speicherung von IP-Adressen befinde sich bereits in der Ressortabstimmung und solle im April vom Kabinett beschlossen werden. Damit sollen Personen, die strafbare Inhalte verbreiten, leichter identifiziert und verfolgt werden können.
Die Debatte über digitale Gewalt gegen Frauen ist damit in Deutschland auf höchster politischer Ebene angekommen – die Frage ist nun, welche Schlüsse daraus gezogen werden.
Quellen:
- exxpress.at / NiUS – Merz zum Fall Fernandes: „Ein beachtlicher Teil dieser Gewalt kommt aus den Gruppen der Zuwanderer“ (25.03.2026)
- t-online.de – Fall Fernandes: Merz und Grüne zoffen sich im Bundestag – „Ehrenrührig“ (25.03.2026)
- t-online.de – Collien Fernandes gegen Ulmen: Rätsel um neue Ermittlungen in Deutschland (25.03.2026)
- evangelisch.de – Collien Fernandes: Deutschland ist ein „absolutes Täterparadies“ (21.03.2026)
- evangelisch.de – Fall Fernandes: Rufe nach besserem Schutz vor digitaler Gewalt (22.03.2026)
- netzpolitik.org – Der Fall Collien Fernandes: Ein mächtiges politisches Momentum (24.03.2026)
- ZDFheute – Zehn-Punkte-Plan für Schutz von Frauen im Netz vorgestellt (20.03.2026)
- taz.de – Reaktion auf Fall Fernandes: Merz mansplaint im Bundestag (25.03.2026)
- Junge Freiheit – Ermittlungen im Fall Collien Fernandes eingestellt (24.03.2026)
Credits: APA
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