Zehn Jahre ist es her, dass Angela Merkel die drei Worte sprach, die Deutschland für immer veränderten: „Wir schaffen das!“ Jetzt meldet sich die ehemalige Bundeskanzlerin zurück – und zieht eine erstaunlich ehrliche Bilanz zu ihrem legendären Satz.
In einem Interview mit ARD-Journalist Ingo Zamperoni räumt Merkel ein, was viele schon lange dachten: Ja, ihre Entscheidung hat der AfD geholfen! „Dadurch ist die AfD sicherlich stärker geworden“, gesteht die CDU-Politikerin freimütig, wie der Spiegel berichtet.
„Mir war klar, dass das herausfordernd wird“
Doch bereut die 71-Jährige ihre historische Entscheidung vom 31. August 2015? Keineswegs! „Das glaube ich nicht. Deutschland ist ein starkes Land“, betont Merkel selbstbewusst. Eine Überforderung Deutschlands sieht sie nicht – auch heute noch nicht.
Besonders emotional wird Merkel, als sie über die Alternative spricht: Die Geflüchteten mit Gewalt davon abzuhalten, nach Deutschland zu kommen. „Dazu hätte ich mich nie bereit erklärt“, stellt sie unmissverständlich klar.
Der Preis des Erfolgs: Streit in der Union
Merkel gesteht auch ein, dass ihre Entscheidung einen hohen politischen Preis hatte. Der Streit in der Union sei „nicht hilfreich dabei gewesen, die große Integrationsaufgabe zu bewältigen“, räumt sie ein. Ein seltenes Eingeständnis der sonst so kontrollierten Politikerin.
Verwundert zeigt sich die Ex-Bundeskanzlerin über eines: „Wie sehr mir diese drei Worte ‚Wir schaffen das‘ auch um die Ohren gehauen wurden.“ Dabei wollte sie nur ausdrücken, dass Deutschland vor einer großen Aufgabe stehe.
Selbstkritik: „Hätten früher handeln müssen“
Doch Merkel übt auch Selbstkritik. Im Rückblick habe sie sich manchmal Vorwürfe gemacht, berichtet der Spiegel. Man hätte schon 2012/13 – als der Bürgerkrieg in Syrien bereits im Gange war – mehr für die Menschen vor Ort tun müssen.
Ihre heutige Bilanz: „Wir haben viel geschafft“
Zehn Jahre später zieht Merkel eine überwiegend positive Bilanz: „Das ist ein Prozess. Aber bis jetzt haben wir viel geschafft. Und was noch zu tun ist, muss weiter getan werden.“ Ein klares Bekenntnis zu ihrer damaligen Politik – trotz aller Herausforderungen.
Die CDU sieht es anders
Ihre eigene Partei teilt diese Einschätzung allerdings nicht mehr. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann rechnet knallhart ab: „Seit 2015 sind 6,5 Millionen Menschen zu uns gekommen, und weniger als die Hälfte ist heute in Arbeit. Ich finde das, gelinde gesagt, nicht zufriedenstellend“, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“.
Das Fazit: Eine Kanzlerin ohne Reue
Angela Merkel bereut nichts – trotz aller politischen Konsequenzen. Ihre Botschaft ist klar: Deutschland hat bewiesen, dass es ein starkes Land ist. Auch wenn der Weg steiniger war, als gedacht. „Wir schaffen das“ – für Merkel ist dieser Satz auch heute noch Programm, nicht Vergangenheit.
Quelle: Der Spiegel
Credits: APA
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