Der UN-Sicherheitsratssitz ist gewonnen — doch ein Feier-Video der Außenministerin sorgt für unerwarteten Wirbel. Grund: Der iranische Außenminister taucht darin auf. Die Debatte dahinter ist nicht trivial.
Was im Video zu sehen ist
Nach dem österreichischen Erfolg in New York veröffentlichte das Außenministerium auf Instagram ein Video, das Meinl-Reisingers diplomatische Bemühungen rund um die Kandidatur zeigt — Umarmungen, Emotionen, Dankbarkeit. Unter den darin vorkommenden Personen: Abbas Araghchi, Außenminister des Iran seit August 2024. Laut oe24.at erscheint er an nicht unprominenter Stelle.
Kritik von außen — und aus der eigenen Koalition
Der Wiener Kommunikationsberater Daniel Kapp, erklärter Unterstützer Israels, reagierte auf X mit scharfer Kritik: „Bedankt sich @BMeinl hier allen Ernstes beim Außenminister der islamistischen Republik Iran für die Unterstützung bei Österreichs UN-Sicherheitsratskandidatur? Das sind also unsere neuen Freunde?“ Das Posting fand rasch Resonanz.
Pikant ist vor allem, wer sich anschloss: ÖVP-Delegationsleiter im Parlament Reinhold Lopatka — immerhin Koalitionspartner der NEOS — kommentierte laut oe24.at: „Bedauerlich, stümperhaft, unentschuldbar, sollte es stimmen!“
Außenministerium versucht zu beruhigen
Das Außenministerium reagierte mit einer Klarstellung: Das Video stelle die diplomatischen Bemühungen der Ministerin dar — sie habe im vergangenen Jahr rund 150 Ländervertreter getroffen. Beim Iran könne man sich schon deshalb nicht bedanken, weil gar nicht bekannt sei, ob der iranische Vertreter Österreich überhaupt gewählt habe. Das Video sei ein Dank vor allem an die österreichische Delegation und die Mitarbeiter.
Der Kontext: Araghchi ist kein gewöhnlicher Diplomat
Abbas Araghchi ist seit August 2024 Außenminister Irans unter Präsident Peseschkian. Laut Wikipedia ist er ein erklärter Unterstützer der sogenannten „Achse des Widerstands“ — dem Netzwerk aus Hamas, Hisbollah und Huthi-Miliz. Gleichzeitig war er Irans Chefunterhändler beim Atomabkommen 2015 und gilt als erfahrener Diplomat mit westlichen Kontakten.
Das macht die Lage komplex. Meinl-Reisinger hatte laut vienna.at bereits im April 2026 ein Telefonat mit Araghchi geführt — um Deeskalation zu fordern, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus anzumahnen und den Iran zu kritisieren. Sie bezeichnete ihn dabei als „in die Ecke gedrängten Dobermann, der wild um sich beißt.“ Kontakt mit dem iranischen Außenminister gehört also zur regulären Diplomatie — auch einer österreichischen Außenministerin, die UN-Stimmen sammelt.
Die eigentliche Frage
Der Vorwurf, Meinl-Reisinger bedanke sich beim Iran, lässt sich anhand des Videos sachlich nicht bestätigen. Was sich bestätigen lässt: Ein Feier-Video, das einen aktiven Außenminister eines kriegsführenden Landes zeigt, dessen Regime von westlichen Regierungen als Terrorunterstützer eingestuft wird, war kommunikationspolitisch ungeschickt — unabhängig vom diplomatischen Kontext dahinter.
Credits: screenshot-instagram-beate-meinl-reisinger
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