Österreichs Außenministerin tritt eine mehrtägige China-Reise an – mit einer hochkarätigen Wirtschaftsdelegation, offenen Handelsfragen und einem politischen Auftrag, der schwieriger nicht sein könnte.
Das Jubiläum und seine Schattenseiten
Der offizielle Anlass ist feierlicher Natur: Österreich und China begehen 2026 gleich zwei Jubiläen – 55 Jahre diplomatische sowie 60 Jahre wirtschaftliche Beziehungen, wie exxpress berichtet. Hinter den Kulissen der Feierlichkeiten drücken jedoch harte Zahlen. Laut ORF und Statistik Austria verzeichnete Österreich im Jahr 2025 beim Handel mit China das größte bilaterale Defizit aller Handelspartner: 17,6 Milliarden Euro Importe standen nur 5 Milliarden Euro Exporte gegenüber – ein Negativsaldo von 12,5 Milliarden Euro. Die China-Importe stiegen laut WKO gegenüber 2024 um 13,8 Prozent, die Exporte gingen gleichzeitig um 4,4 Prozent zurück. Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer warnte bei der Präsentation der Statistik-Austria-Zahlen im März, Europa werde zum „Ausweichmarkt für Dumpingimporte aus China“.
Shanghai und Peking: Wirtschaft zuerst, Politik dann
In Shanghai stehen laut exxpress zunächst Treffen mit österreichischen Unternehmen sowie chinesischen Technologiekonzernen auf dem Programm, ergänzt durch Besuche in Forschungszentren für künstliche Intelligenz und Robotik. Für viele heimische Firmen bleibt China trotz Handelsungleichgewicht, Technologiediebstahl-Sorgen und wachsender geopolitischer Risiken ein unverzichtbarer Markt. Politisch wird es dann in Peking: Dort trifft Meinl-Reisinger ihren chinesischen Amtskollegen Wang Yi sowie Vize-Außenminister Ma Hui, wie die Außenministerin bereits im Vorfeld ankündigte.
Putin-Frage als heikles Kernthema
Zu den erwarteten Gesprächsthemen in Peking gehört laut exxpress die Ukraine: Österreich erwartet von China mehr Einfluss auf Russland, um Bewegung in die festgefahrenen Friedensverhandlungen zu bringen. Eine direkte Forderung, Peking solle Moskau unter Druck setzen, ist diplomatisch heikel – China betrachtet sich selbst als neutralen Akteur und hat den russischen Angriffskrieg bisher weder offen verurteilt noch aktiv zu beenden versucht. Gleichzeitig erhöht Österreichs bevorstehende Mitgliedschaft im UN-Sicherheitsrat ab 2027 den Einsatz: Ein funktionierender Draht nach Peking ist dann kein Nice-to-have, sondern operative Notwendigkeit.
Wien schickt eine ganze Prominenz-Parade
Meinl-Reisingers Besuch ist laut exxpress Teil einer größeren diplomatischen Offensive Wiens gegenüber Peking. Bereits nach der Außenministerin werden Nationalratspräsident Walter Rosenkranz und später Bundeskanzler Christian Stocker nach China reisen. Stocker könnte dabei sogar von Staatschef Xi Jinping persönlich empfangen werden. China seinerseits betreibt derzeit eine breite Charmeoffensive: Allein in diesem Jahr haben zahlreiche Staats- und Regierungschefs Peking besucht.
Credits: BKA / Andy Wenzel
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