FPÖ-Budgetsprecher Arnold Schiefer hat in einem Interview eine Aussage gemacht, die seiner eigenen Parteilinie widerspricht – und die Pensionsdebatte neu befeuert: Studierte sollten seiner Meinung nach länger arbeiten als körperlich Tätige.
Die Aussage, die aufhorchen lässt
Im Interview mit dem Standard spricht sich FPÖ-Budgetsprecher Arnold Schiefer für eine differenziertere Betrachtung des Pensionsantrittsalters aus, wie oe24 und SN.at berichten. Zwar müsse für Ältere weiter der Vertrauensschutz gelten. Doch man müsse genau diskutieren, für wen es zumutbar sei, länger zu arbeiten: „Für Leute etwa, die studiert haben und die keine körperlich schweren Arbeiten verrichten mussten“, so Schiefer laut oe24.
Widerspruch zur eigenen Parteilinie
Das ist eine bemerkenswerte Aussage – denn sie steht in deutlichem Kontrast zur offiziellen FPÖ-Linie. FPÖ-Sozialsprecherin Dagmar Belakowitsch hatte erst im Februar 2026 Forderungen nach einem höheren Pensionsalter als „neoliberale und menschenunwürdige Fantasien“ bezeichnet, wie Pressefeuer und SN.at dokumentieren. Noch im April 2026 sprach sie von einer „Salamitaktik“ der Regierung beim Pensionsantrittsalter. Die FPÖ positioniert sich üblicherweise als Schutzmacht der Pensionisten und lehnt jede Erhöhung des Pensionsalters kategorisch ab. Schiefer geht damit einen deutlichen Schritt weiter als seine Parteikollegin.
Selbstbehalte als letztes Mittel
Auch beim Thema Gesundheit schlägt Schiefer laut oe24 Reformschritte vor, die in seiner Partei nicht unumstritten sind. Er fordert eine Zusammenführung der Gesundheitskompetenz beim Bund und kündigt an, man werde „an jeder Schraube drehen müssen: Von den Leistungen bis zu den Selbstbehalten.“ Letztere könnten allerdings, wie er ausdrücklich betont, „nur das allerletzte Mittel sein.“
Einordnung der Redaktion
Schiefers Interview ist ein seltenes Beispiel dafür, dass ein FPÖ-Politiker in einer budgetpolitischen Sachfrage von der eigenen Parteikommunikation abweicht. Die FPÖ hat das Thema Pensionen bisher klar besetzt: als Verteidigerin von Pensionisten gegen Kürzungen und höheres Pensionsalter. Schiefers Differenzierung – körperlich Tätige sollen früher in Pension dürfen als Akademiker – ist sachlich nicht neu und wird in der Wissenschaft seit Jahren diskutiert. Als Aussage eines FPÖ-Politikers ist sie aber ungewöhnlich und dürfte intern für Gesprächsstoff sorgen. Ob sie Ankündigung eines Kurswechsels oder Einzelmeinung ist, bleibt abzuwarten.
Credits: Parlamentsdirektion / Thomas Topf
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