Außenministerin Beate Meinl-Reisinger ist am Sonntag zu einem zweitägigen offiziellen Besuch in Bukarest, Rumänien, eingetroffen. Im Rahmen ihres Aufenthalts standen sowohl politische Gespräche mit der rumänischen Amtskollegin Oana Țoiu von der Reformpartei USR als auch ein Besuch beim WM-Qualifikationsspiel zwischen Rumänien und Österreich auf dem Programm (OE24).
Besuch beim Länderspiel und Solidaritätsbekundung
Am Sonntagabend verfolgte Meinl-Reisinger gemeinsam mit Kollegin Țoiu das Fußballspiel in der Arena Națională in Bukarest. Zuvor traf sie eine Gruppe von Schülern des Grazer Gymnasiums Dreischützengasse, die am 10. Juni 2025 einen Amoklauf an ihrer Schule miterlebt hatten. Die Familien der betroffenen Jugendlichen stammen aus Rumänien, einige waren direkt von der Tat betroffen. Wie das österreichische Außenministerium mitteilt, wurden zwei Schüler schwer verletzt. Meinl-Reisinger zeigte sich betroffen und betonte die Unfassbarkeit der Ereignisse. Die Schüler berichteten, dass zahlreiche Programme zur Bewältigung des Traumas angeboten wurden, das Thema aber mittlerweile weniger präsent sei.
Der rumänische Fußballverband hatte die Jugendlichen als Zeichen der Solidarität zum Länderspiel eingeladen. Meinl-Reisinger überreichte ihnen Schals und von Spielern der österreichischen Nationalmannschaft signierte Trikots. Diese Geste wurde von den Jugendlichen mit Humor aufgenommen, wie OE24 berichtet.
Wirtschaftliche Beziehungen und Investitionen
Im Fokus des weiteren Besuchs standen Themen der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Am Montag traf Meinl-Reisinger mit ihrer Amtskollegin zu einem Meinungsaustausch zusammen. Geplant waren zudem ein Wirtschaftsfrühstück und ein Investorentreffen unter dem Motto „Austria – Romania – successful together“ mit österreichischen Unternehmen.
Laut dem Außenwirtschaftscenter Bukarest der Wirtschaftskammer Österreich (WKO) wuchs die rumänische Wirtschaft im ersten Halbjahr 2025 um 0,3 Prozent, nach 0,9 Prozent im Vorjahr. Österreich ist mit 11,7 Prozent Anteil laut Rumänischer Nationalbank nach Deutschland der zweitgrößte ausländische Investor in Rumänien. Die österreichischen Direktinvestitionen betragen rund 13,5 Milliarden Euro, womit Rumänien das sechstwichtigste Zielland österreichischer Auslandsinvestitionen ist (vgl. WKO).
Der Schengen-Beitritt Rumäniens zu Jahresbeginn 2025 hat laut WKO positive Effekte auf die österreichische Wirtschaft. Das zuvor von Österreich verhängte Veto gegen den Beitritt ist in Rumänien jedoch laut Länderbericht der WKO noch nicht vergessen. Österreich hatte über zwei Jahre hinweg die vollständige Aufnahme Rumäniens in den Schengen-Raum blockiert, unter Verweis auf die Migrationslage über die Westbalkanroute (Die Presse).
Besuch bei OMV Petrom und Energieprojekte
Ein Programmpunkt des Besuchs war die Besichtigung der OMV-Petrom-Raffinerie Petrobrazi nahe Ploiești. Das Unternehmen errichtet dort derzeit eine neue Produktionsanlage für nachhaltige Kraftstoffe, die ab 2028 bis zu 250.000 Tonnen nachhaltigen Flugkraftstoff (SAF) und erneuerbaren Diesel (HVO) pro Jahr herstellen soll (vgl. OMV-Petrom-Pressemitteilung). Seit der Übernahme der rumänischen Petrom durch OMV im Jahr 2005 wurden etwa 18 Milliarden Euro reinvestiert, weitere Investitionen sind bis 2030 geplant.
Ab 2027 soll das Gasprojekt „Neptun Deep“ der OMV-Petrom und Romgaz zusätzlich große Mengen Gas für Europa liefern. Das Milliardenprojekt soll Rumänien zum Gasexporteur machen. Die Tageszeitung „Die Presse“ berichtet, dass die rumänische Regierung die Umsetzung des Projekts beschleunigen möchte und bei Verzögerungen mit Strafen und Lizenzverlusten droht.
Aktuell gibt es in Bukarest Diskussionen darüber, wie strategisch wichtige Anlagen, wie etwa die Offshore-Bohranlage Neptun Deep, vor möglichen Drohnenangriffen geschützt werden können. Rumänische Medien weisen darauf hin, dass Anlagen von der Krim aus leicht erreichbar wären.
Politische Lage in Rumänien
Rumänien erlebte Ende 2024 eine vom Verfassungsgericht annullierte Präsidentschaftswahl, nachdem der pro-russische Kandidat Călin Georgescu überraschend gewonnen hatte. Laut Angaben rumänischer und ausländischer Nachrichtendienste bestand der Verdacht massiver russischer Einflussnahme über soziale Medien. Die Neuwahl im Mai 2025 gewann der parteifreie, proeuropäisch geltende Bürgermeister von Bukarest, Nicușor Dan.
Im Land wird derzeit diskutiert, inwieweit Rumänien ausreichend vor externer Einflussnahme geschützt ist. Innenpolitisch prägen Spar- und Reformpakete die Debatte, nachdem das Haushaltsdefizit 2024 auf 9,3 Prozent angestiegen war.
Quellen
- OE24: Meinl-Reisinger in Bukarest: Daumendrücken für ÖFB-Team
- Wirtschaftskammer Österreich, Außenwirtschaftscenter Bukarest: Länderreport Rumänien, Wirtschaftsdaten 2025
- OMV Petrom: Unternehmensinformationen und Pressemitteilungen
- Die Presse: Energieprojekte und Schengen-Veto
Credits: APA
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