Österreichs Außenministerin reist nach Riad, um im Iran-Krieg zu vermitteln. Der Anspruch klingt groß. Das Problem: Wer viermal in die Ukraine reist, aber kein einziges Mal nach Russland, hat seine Glaubwürdigkeit als neutraler Vermittler längst verspielt.
Die Reise und der Anspruch
Wie oe24 berichtet, bricht Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) am Montag zu einer zweitägigen Reise nach Saudi-Arabien auf. Geplant sind Gespräche mit Außenminister Faisal bin Farhan, dem Generalsekretär des Golfkooperationsrats sowie Wirtschaftsminister Faisal F. Alibrahim. Das erklärte Ziel: Deeskalation, Sicherung der Energieversorgung und Wien als neutralen Gesprächsort positionieren.
„Wir bringen uns aktiv ein, vermitteln und positionieren Wien gezielt als Ort für Dialog, Verhandlung und konkrete Lösungen“, so Meinl-Reisinger.
Das klingt nach klassischer österreichischer Außenpolitik. Das Problem: Genau diese Glaubwürdigkeit hat Meinl-Reisinger in ihrer bisherigen Amtszeit systematisch untergraben.
Viermal Kiew – keinmal Moskau
Der Befund ist einfach nachzuzählen. Wie puls24 und das Außenministerium (BMEIA) dokumentieren, reiste Meinl-Reisinger seit ihrem Amtsantritt im März 2025 bereits viermal in die Ukraine – so oft wie in kein anderes Land der Welt. Zuletzt im Februar 2026 reiste sie laut BMEIA nach Kiew, um „Österreichs entschlossene Unterstützung im Kampf gegen Putins brutalen und völkerrechtswidrigen Angriffskrieg zu bekräftigen.“ Beim ukrainischen Unabhängigkeitstag postete sie Fotos in ukrainischer Landestracht mit blau-gelber Fahne, wie die FPÖ in einer Parlamentskorrespondenz festhielt.
Nach Russland: kein einziger Besuch. Nicht einer.
Dazu kommt: Wie exxpress berichtet, nahm Meinl-Reisinger aktiv an Treffen der „Koalition der Willigen“ teil – jenem Sicherheitsbündnis, das militärische Garantien für die Ukraine vorbereitet und dem kein einziges offiziell neutrales Land – nicht Irland, nicht die Schweiz, nicht Malta – angehört. Außerdem forderte sie im EU-Rat laut BMEIA wiederholt härtere Sanktionen gegen Russland und sprach sich offen für „ReArm Europe“ aus.
Was Neutralität eigentlich bedeutet
Wiens Ruf als Vermittler lebte nie davon, dass Österreich keine Meinung hatte. Er lebte davon, dass beide Seiten eines Konflikts Wien als akzeptablen Gesprächspartner betrachteten – von den OPEC-Verhandlungen bis zu den Iran-Atomgesprächen.
Wer einer Kriegspartei viermal einen Besuch abstattet, von ihr einen Verdienstorden entgegennimmt – wie exxtra24.at berichtete – und gleichzeitig behauptet, Wien als neutralen Ort für Dialog mit allen Seiten positionieren zu wollen, setzt sich dem Vorwurf aus, nicht neutral zu sein. Dass Saudi-Arabien, das selbst enge Kontakte zum Iran pflegt, eine Außenministerin mit dieser Bilanz als glaubwürdige Vermittlerin ernst nimmt, darf zumindest hinterfragt werden.
Bereits zweite Golfreise – ohne sichtbare Ergebnisse
Es ist nicht die erste Saudi-Reise. Ende Jänner 2026 absolvierte Meinl-Reisinger laut BMEIA bereits eine fünftägige Tour durch Oman, Saudi-Arabien und die VAE. Wenige Wochen später begann der Iran-Krieg trotzdem. Seither telefonierte sie laut oe24 mit dem iranischen Außenminister, Kollegen aus Israel, Libanon, Katar, Oman, Kuwait, Ägypten, Aserbaidschan, der Türkei sowie UNO-Chef Guterres. Konkrete Ergebnisse sind nicht bekannt.
Die eigentlichen Entscheidungsträger – Washington, Tel Aviv, Teheran – verhandeln über andere Kanäle. Ob eine Außenministerin, die im größten europäischen Konflikt seit 1945 offen Partei ergriffen hat, im Nahen Osten als echte neutrale Kraft wahrgenommen wird, bleibt die entscheidende Frage dieser Reise.
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