Mehr als 20.000 Opfer: Brunner präsentiert neue EU-Strategie gegen Menschenhandel

Mehr als 20.000 Opfer: Brunner präsentiert neue EU-Strategie gegen Menschenhandel

Ein Jobangebot in sozialen Medien, ein versprochenes Visum, eine Schuld, die nie kleiner wird: So geraten Menschen in die Fänge von Menschenhändlern. Die EU-Kommission hat eine neue Strategie vorgelegt, um gegen sie vorzugehen. Zuständig ist der Österreicher Magnus Brunner – und die Zahlen, die er dazu präsentiert, sind alarmierend.

Plus 16 Prozent

Laut Kommission wurden in den Jahren 2023 und 2024 in der EU mehr als 20.000 Opfer von Menschenhandel registriert. Das sind 16,1 Prozent mehr als in den beiden Jahren davor. Die tatsächliche Zahl dürfte “deutlich höher” liegen, räumt die Behörde laut Agence Europe selbst ein, weil die Statistik nur identifizierte Opfer erfasst. Vorgestellt wurde die Strategie am Freitag in Brüssel, zwei Tage vor dem EU-Tag gegen Menschenhandel am 18. Oktober.

Wer die Opfer sind

63 Prozent der registrierten Opfer sind Frauen und Mädchen, die meisten von ihnen werden zur sexuellen Ausbeutung gehandelt. Kinder machen 15 Prozent aus. Bei der Ausbeutung der Arbeitskraft sind dagegen vor allem Männer betroffen, sie stellen dort 74 Prozent der Opfer. Gut ein Drittel der Betroffenen, 36 Prozent, sind EU-Bürger, 64 Prozent stammen aus Staaten außerhalb der EU. Neben sexueller Ausbeutung und Zwangsarbeit werden Menschen auch zu Straftaten, zum Betteln oder in Zwangsehen gezwungen.

“Nicht wie Ware verkauft”

“Menschen dürfen nicht wie Ware verkauft werden”, erklärte Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Migration und früherer österreichischer Finanzminister, laut APA. “Menschenhändler passen ihre Methoden an, online und entlang der Migrationsrouten. Darauf muss auch unsere Antwort reagieren.” Und weiter: “Menschenhändler werden zur Verantwortung gezogen, ihre Netzwerke zerschlagen und die Opfer geschützt.”

Sechs Säulen

Die Strategie stützt sich auf sechs Schwerpunkte. Moderne Technologien sollen helfen, Menschenhandel zu verhindern, aufzudecken und zu ermitteln, auch weil Täter zunehmend Online-Plattformen und künstliche Intelligenz nutzen. Die Privatwirtschaft soll in einer europäischen Unternehmenskoalition gegen Menschenhandel eingebunden werden, Arbeitsinspektorate sollen grenzüberschreitend enger zusammenarbeiten. Gegen kriminelle Netzwerke setzt die Kommission auf Finanzermittlungen, Vermögensabschöpfung und gemeinsame Ermittlungsgruppen mit Europol und Eurojust. Weitere Säulen sind der Schutz vor Ausbeutung entlang der Migrationsrouten, eine bessere Vorbereitung auf Krisen nach dem Vorbild eines Aktionsplans mit der Ukraine und ein stärkerer Opferschutz mit sicheren Unterkünften und Rechtsberatung.

Ein Programm, kein Gesetz

Neue Straftatbestände schafft die Strategie selbst nicht. Sie ist ein politisches Programm, das nun im EU-Parlament und im Rat beraten wird. Die rechtliche Grundlage bildet die überarbeitete EU-Richtlinie gegen Menschenhandel, die 2024 in Kraft trat und bis Juli 2026 in nationales Recht umgesetzt werden musste. Sie stellt unter anderem auch die wissentliche Inanspruchnahme von Leistungen eines Opfers unter Strafe. Ganz erfüllt haben diese Pflicht noch nicht alle: Laut dem Portal EU Perspectives fehlt die Umsetzung in zahlreichen Mitgliedstaaten. Parallel haben Kommission und EU-Außenbeauftragte im Juli ein eigenes Sanktionsregime gegen Schlepperei, Menschenhandel und organisierte Kriminalität vorgeschlagen.

Auch Österreich verschärft

In Österreich stand diese Woche ebenfalls eine Verschärfung auf der Tagesordnung des Nationalrats: Das Strafrecht beim Menschen- und Organhandel sollte erweitert werden, unter anderem mit einem neuen Straftatbestand gegen die Vermittlung von Organen.

Credits: Parlamentsdirektion/​Thomas Topf

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