Video: “Rama, you’re killing our future”: Albaner protestieren in Wien gegen Staatsgast

Video: “Rama, you’re killing our future”: Albaner protestieren in Wien gegen Staatsgast

Rote Fahnen, Megafone, Kinder mit handgemalten Schildern: Mitten in der Wiener Innenstadt hat die albanische Community gegen ihren eigenen Regierungschef demonstriert. Am Montag kommt Edi Rama nach Wien, Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) empfängt ihn mit militärischen Ehren. Zu Hause in Tirana brennt zur selben Zeit ein Ministerium.

“No badge above the law”

Die Bilder liegen exxtra24 vor. Ein Protestzug zieht Ende vergangener Woche durch Wien, vorneweg ein langes Transparent: “Protect EU values – hold Albania’s government accountable”. Dahinter junge Leute mit roten Tüchern um die Schultern, Familien, Kinder. Ein Mädchen hält ein Schild in die Kamera: “Rama, you’re killing our future”. Auf anderen steht “No badge above the law” und “Students targeted”. Durch die Megafone schallen Sprechchöre. Die Botschaft an den Mann, der in wenigen Tagen über den Ballhausplatz schreiten wird, ist unmissverständlich: Tritt zurück. Laut “Kurier” sind auch für Montag Proteste angekündigt.

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Video-Credits: Frederik Füssel

Ein Flamingo als Revolutionssymbol

Begonnen hat alles mit einem Vogel. Im Frühjahr gingen Menschen in Zvërnec im Süden Albaniens gegen ein Luxus-Resort auf die Straße, geplant in einem geschützten Gebiet, in dem Flamingos brüten. Dahinter steht eine Investmentfirma, die Jared Kushner gegründet hat, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Rama selbst bestätigte die Beteiligung Kushners und Ivanka Trumps. Die Projektgesellschaft verspricht mehr als vier Milliarden Euro Investitionen und 10.000 Arbeitsplätze, das Grundstück sei rechtmäßig gekauftes Privateigentum. Überzeugt hat das viele nicht. Den ganzen Sommer über, rund 140 Abende in Folge, standen Demonstranten in Tirana mit rosa Flamingos in den Händen und forderten Ramas Rücktritt, wie Yahoo News berichtet. Aus einem Umweltprotest wurde die “Flamingo-Revolution”.

Diese Woche brannte es wirklich

Dann kamen die Studenten. Sie fordern bessere Bedingungen an den Universitäten und schlossen sich der Bewegung an. Am Mittwoch flogen in Tirana Steine auf das Bildungsministerium, ein Stockwerk ging in Flammen auf, berichtet Al Jazeera. Die Polizei setzte Tränengas und Wasserwerfer ein. Bei den Ausschreitungen wurden laut Gesundheitsministerium 89 Menschen verletzt, 61 davon Polizisten, wie die Nachrichtenagentur AP meldet. Auch Banken und Geschäfte wurden angegriffen. “Dieser Protest kam nach vier Monaten täglicher Kundgebungen auf den Hauptstraßen der Hauptstadt”, sagt Besar Likmeta vom Balkan Investigative Reporting Network.

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Video-Credits: Frederik Füssel

Der Flamingo ist nur der Anlass

Wer verstehen will, warum ein Hotelprojekt ein Land in Aufruhr versetzt, muss auf die Korruptionsvorwürfe schauen. Im Dezember 2025 klagte die Sonderstaatsanwaltschaft Vizepremierin Belinda Balluku an, eine enge Vertraute Ramas. Im Februar entließ er sie bei einer Regierungsumbildung, die Ermittlungen laufen weiter. Auch mehrere frühere Minister stehen im Visier der Korruptionsjäger. Rama regiert seit 2013, vergangenes Jahr holte seine Sozialistische Partei die vierte Amtszeit in Folge, im Parlament hat sie eine komfortable Mehrheit. Eine echte Alternative sehen viele Demonstranten allerdings auch in der Opposition nicht: Deren Chef Sali Berisha steht selbst wegen Korruptionsvorwürfen vor Gericht.

Der reiche Verwandte

In Wien wird Rama dennoch mit allen Ehren empfangen. Laut Bundeskanzleramt trifft er am Montag um 12 Uhr am Ballhausplatz ein, mit Ehrenformation. Für ihn dürfte der Besuch eine willkommene Pause von den Bildern aus Tirana sein, schreibt der “Kurier”, und gleiche einem Höflichkeitsbesuch “bei einem wohlhabenden Verwandten”. Die Zahlen geben dem recht: Österreich ist der sechstgrößte ausländische Investor in Albanien, 2025 wurde so viel gehandelt wie nie zuvor. Verbund, Strabag, Raiffeisen, die Vienna Insurance Group und Cineplexx sind im Land aktiv, immer mehr Österreicher urlauben oder leben dort. Und Wien gehört zu den lautesten Fürsprechern eines EU-Beitritts der Westbalkanstaaten. Albanien ist seit 2014 Beitrittskandidat, will bis 2030 aufgenommen werden und hat nach Montenegro die besten Chancen.

Stockers Gratwanderung

Für den Kanzler wird der Montag damit zum Balanceakt. Auf der einen Seite ein Partner, an dem österreichische Konzerne und die Erweiterungspolitik hängen. Auf der anderen Seite Bilder von brennenden Ministerien, verletzten Studenten und einer Diaspora, die vor dem Kanzleramt “EU-Werte” einfordert – genau jene Werte, auf die sich Österreich bei der Erweiterung selbst gerne beruft. Ob Stocker die Proteste und die Korruptionsvorwürfe bei der gemeinsamen Pressekonferenz anspricht oder ob es bei Wirtschaft und Beitrittsfahrplan bleibt, wird am Montag genau beobachtet werden. Draußen vor dem Ballhausplatz jedenfalls wird man zuhören.

Credits: Bild wurde von KI erzeugt

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