Der Wind wird rauer für Jan Marsalek, das flüchtige Phantom im Zentrum des milliardenschweren Wirecard-Skandals. Nach Jahren der Jagd und wilden Spekulationen über seinen Aufenthaltsort greift die österreichische Regierung nun durch: Dem Ex-Manager droht der Verlust seiner österreichischen Staatsbürgerschaft. Wie die Austria Presse Agentur (APA) aus Kreisen des Innenministeriums erfuhr, wurde ein entsprechendes Prüfverfahren bereits eingeleitet. Ein drastischer Schritt, der die Schlinge um Marsaleks Hals enger ziehen könnte.
Spion für Putin? Neue Beweise bringen Behörden auf den Plan
Die Entscheidung des Innenministeriums kommt nicht aus heiterem Himmel. Brisante Medienberichte der letzten Monate zeichnen das Bild eines Mannes, der weit mehr als nur ein gesuchter Wirtschaftsverbrecher ist. Es heißt, Marsalek halte sich in Russland auf und arbeite dort direkt für den Geheimdienst. Beweisfotos, die ihn in Militärkleidung mit dem russischen „Z“-Kriegssymbol zeigen sollen, untermauern den Verdacht, dass er tief in die Operationen des Kremls verstrickt ist. Wie oe24.at berichtet, sollen diese Informationen eine „akribische und umfassende Prüfung“ zur Entziehung der Staatsbürgerschaft notwendig gemacht haben.
Gesetzeslage macht Aberkennung möglich
Obwohl die Verleihung und Entziehung von Staatsbürgerschaften in Österreich grundsätzlich Ländersache ist, gibt es klare Ausnahmen. Das Innenministerium kann einschreiten, wenn das Ansehen oder die Interessen der Republik Österreich erheblich geschädigt werden. Eine Spionagetätigkeit für einen fremden Staat wäre ein solcher Grund. Auch der freiwillige Eintritt in den Militärdienst eines anderen Landes oder der Kampfeinsatz für eine bewaffnete Gruppe im Ausland können zum Verlust des Passes führen. Sollte Marsalek, wie vermutet, einen russischen Pass angenommen haben, ohne dies zu genehmigen, würde er seine österreichische Staatsbürgerschaft sogar automatisch verlieren.
Behörden jagen ihn, Moskau schweigt
Während in Wien die Mühlen der Bürokratie mahlen, geht die internationale Fahndung weiter. Die Staatsanwaltschaft München ermittelt gegen Marsalek unter anderem wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs und Untreue im besonders schweren Fall. Deutsche Behörden haben ihn zur Fahndung ausgeschrieben und ein Rechtshilfeersuchen an Moskau gestellt. Doch von dort kommt – offiziell – nur Schweigen. Die russischen Stellen bestreiten weiterhin, den Aufenthaltsort des einstigen Wunderkinds der Finanzwelt zu kennen. Für Jan Marsalek, den Mann ohne Gesicht, wird die Welt nun wieder ein Stück kleiner.
Credits: APA
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