Der designierte ungarische Premierminister Péter Magyar stellt sich quer: Die Wiederaufnahme der Druschba-Öllieferungen darf nicht an EU-Finanzhilfen für die Ukraine geknüpft werden. Seine Botschaft ist unmissverständlich – und trifft einen wunden Punkt.
Magyars Klartext Richtung Kiew
Die Druschba-Pipeline – einst das Rückgrat der Ölversorgung Ungarns und der Slowakei – ist nach monatelanger Unterbrechung durch einen russischen Angriff im Jänner wieder repariert. Doch die Freude in Budapest hielt sich in Grenzen: Aus Kiew kamen Signale, wonach die Wiederaufnahme der Lieferungen mit europäischen Finanzhilfen für die Ukraine verknüpft werden könnte.
Wie die Weltwoche unter Berufung auf den Sender Euronews berichtete, reagierte Péter Magyar, Ungarns voraussichtlicher nächster Regierungschef, darauf mit ungewöhnlicher Schärfe: „Wenn die Druschba für den Öltransport geeignet ist, dann öffnen Sie sie bitte wie versprochen, und wir bitten die Russen, das Öl einzuspeisen, denn ohne einen von ihnen wird sie nicht funktionieren.“ Den Versuch Kiews, die Ölversorgung als politischen Hebel einzusetzen, wies Magyar klar zurück: „Das wird nicht nur Ungarn nicht akzeptieren, sondern auch Europa nicht.“
Selenskyj kündigt Reparatur an – und verknüpft sie mit Unterstützung
Kurz nach Magyars Aussagen meldete sich Präsident Wolodymyr Selenskyj zu Wort. Wie die Weltwoche berichtete, erklärte er, die durch den russischen Angriff beschädigte Pipeline sei repariert worden. „Die Ukraine hat die Reparatur an der Druschba-Öl-Pipeline, die durch einen russischen Angriff beschädigt worden war, abgeschlossen“, schrieb er – und stellte gleichzeitig einen Zusammenhang mit europäischer Unterstützung für die Ukraine her.
EU-Kredit und das Ende von Orbáns Blockade
Im Hintergrund steht ein handfestes politisches Ergebnis: Wie bereits berichtet, hat die EU alle 27 Mitgliedsstaaten – inklusive Ungarn – auf ein 90-Milliarden-Euro-Darlehen für die Ukraine eingeschworen. Orbáns Regierung hatte die Blockade dieses Kredits monatelang mit dem Hinweis auf die unterbrochenen Druschba-Lieferungen begründet. Budapest signalisierte, sein Veto fallen zu lassen, sobald das Öl wieder fließt – was nun geschehen ist.
Magyar, der die Nachfolge von Orbán als Premier antreten will, setzt damit frühzeitig einen eigenständigen Kurs: Pro-EU, aber ohne Bereitschaft, energiepolitische Abhängigkeiten als geopolitisches Druckmittel akzeptieren zu lassen.
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