Ungarns neuer Regierungschef Péter Magyar setzt sein Wahlversprechen um und stoppt neue Aufenthaltsgenehmigungen für Gastarbeiter aus Nicht-EU-Staaten. Die Ankündigung klingt nach einem totalen Zuzugsstopp — die Realität ist komplizierter.
Was Magyar tatsächlich beschlossen hat
Am 5. Juni 2026 veröffentlichte die neue ungarische Regierung eine Regierungsverordnung, die den vereinfachten Gastarbeiter-Aufenthaltstitel für Nicht-EU-Bürger ab sofort abschafft. Wie Daily News Hungary und helpers.hu berichten, betrifft die Verordnung ausschließlich eine einzige Genehmigungskategorie — den sogenannten „Gastarbeiter-Aufenthaltstitel“. Dieser war unter Ex-Premier Viktor Orbán 2024 als vereinfachter Weg eingeführt worden. In einem ersten Schritt werden laut Reuters die Philippinen, Georgien und Armenien aus der Liste der begünstigten Länder gestrichen — jene Länder, aus denen bisher am meisten Gastarbeiter kamen.
Was nicht betroffen ist: Der reguläre Beschäftigungsaufenthaltstitel bleibt weiterhin verfügbar. Er ist aufwändiger und zeitintensiver — aber nicht abgeschafft. Wie helpers.hu klarstellt, macht der Gastarbeiter-Titel bisher nur einen Bruchteil aller Aufenthaltstitel aus. Von einem totalen Stopp ausländischer Arbeitskräfte kann daher nicht die Rede sein.
Warum Magyar das tut
Bereits im Wahlkampf hatte Magyar angekündigt, den Zustrom ausländischer Arbeitskräfte zu bremsen. Sein Argument laut Reuters-Zitat der Regierungssprecherin Vanda Szondi: Gastarbeiter drücken die Löhne ungarischer Beschäftigter und verdrängen sie vom Arbeitsmarkt. Rund 90.000 Menschen aus Nicht-EU-Staaten arbeiten derzeit in Ungarn — laut Voice of Vienna vor allem aus den Philippinen, der Ukraine, China, Vietnam und Indien, hauptsächlich in der Autoindustrie, im Bauwesen und in der Landwirtschaft. Das entspricht rund zwei Prozent der gesamten ungarischen Erwerbsbevölkerung.
Wirtschaft warnt — und hat gute Argumente
Der Widerstand aus der Wirtschaft ist substanziell. Wie globalbankingandfinance.com unter Berufung auf Reuters berichtet, warnten einige der größten ausländischen Investoren in Ungarn bereits im Mai, dass ein abrupter Stopp die Produktion gefährden könnte. Im Fertigungssektor sind laut EURES-Daten bis zu 20 Prozent der Belegschaft Nicht-EU-Ausländer. Ungarn hat strukturell mehr als 60.000 offene Stellen — davon 23.000 allein im produzierenden Gewerbe.
Offene Fragen für 90.000 Betroffene
Was mit jenen passiert, die bereits im Land arbeiten, ist noch unklar. Wie KOHA.net und Daily News Hungary berichten, bleiben bestehende Genehmigungen bis zu ihrem Ablauf gültig — ob sie danach verlängert werden können, ließ die Regierung bislang offen. Anträge, die bis zum 5. Juni eingereicht und bezahlt wurden, werden noch nach den alten Regeln bearbeitet.
Einordnung: Mehr Symbol als totaler Stopp
Die Maßnahme ist politisch ein klares Signal — wirtschaftlich aber begrenzt in ihrer unmittelbaren Wirkung. Magyar schafft den vereinfachten Weg ab, lässt aber die reguläre Route offen. Ob das die versprochene Lohnerhöhung für ungarische Beschäftigte bringt, hängt davon ab, wie Unternehmen reagieren — und ob sie auf den aufwändigeren Beschäftigungsaufenthaltstitel umsteigen oder schlicht Stellen unbesetzt lassen.
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