Frankreichs Präsident rechnet in Seoul mit dem US-Präsidenten ab – sachlich, aber unmissverständlich. Der Streit um die NATO eskaliert, und obendrauf gibt es eine persönliche Stichelei.
Der Vorwurf aus Seoul
Bei einem Staatsbesuch in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul hat Frankreichs Präsident Emmanuel Macron US-Präsident Donald Trump öffentlich vorgeworfen, die NATO zu beschädigen. Wie Euronews und Politico berichten, sagte Macron vor Journalisten: „Allianzen wie die NATO sind wertvoll wegen der Dinge, die wir nicht sagen – wegen des dahinterstehenden Vertrauens. Wenn man jeden Tag Zweifel an seinem Engagement nährt, höhlt man es aus.“
Der Zeitpunkt war kein Zufall. Trump hatte kurz zuvor gegenüber der britischen Zeitung The Telegraph die NATO als „Papiertiger“ bezeichnet und erklärt, er erwäge ernsthaft den Austritt der USA aus dem Bündnis. Wie Web.de berichtet, ließ Trumps Antwort auf Macrons Kritik nicht lange auf sich warten.
Macrons Botschaft: Weniger reden, mehr tun
Der Franzose legte in Seoul nach – und seine Worte klangen wie ein diplomatischer Weckruf an Washington. Wie die Washington Post berichtet, sagte Macron: „Wenn man einen Vertrag unterzeichnet hat, stellt man ihn nicht jeden Morgen infrage. Man sagt nichts – und wenn es einen Tag gibt, an dem es ein Problem gibt, ist man da.“
Den Stil des US-Präsidenten kritisierte er ebenfalls unverblümt. „Wer ernsthaft sein will, sagt nicht jeden Tag das Gegenteil von dem, was er am Tag zuvor gesagt hat. Und vielleicht sollte man auch nicht jeden Tag reden“, so Macron laut Euronews.
Gleichzeitig rief er zur Mäßigung im Iran-Konflikt auf. Eine militärische Zwangsöffnung der Straße von Hormus bezeichnete er als unrealistisch: „Das kann nur in Abstimmung mit dem Iran geschehen. Daher muss es zuallererst einen Waffenstillstand und eine Wiederaufnahme der Verhandlungen geben.“ Es gebe derzeit zu viel Gerede, das „in alle Richtungen“ gehe – „das ist keine Show“, betonte er.
Der persönliche Seitenhieb – und Frankreichs Reaktion
Neben der politischen Ebene gab es auch eine persönliche: Trump hatte bei einem privaten Weißhaus-Dinner Macrons Ehefrau Brigitte verspottet und behauptet, sie behandle ihn „extrem schlecht“. Wie Euronews berichtet, nannte Macron diese Aussagen „weder elegant noch dem Standard entsprechend“ – und ließ es damit bewenden.
In Frankreich hingegen sorgte Trumps Auftritt parteiübergreifend für Empörung. Laut dem Nachrichtenportal evrimagaci.org schlossen sich sogar Macrons innenpolitische Gegner der Kritik an. Yaël Braun-Pivet, Präsidentin der Nationalversammlung, kommentierte gegenüber Franceinfo: „Wir diskutieren derzeit über die Zukunft der Welt. Im Iran sterben Menschen – und wir haben einen Präsidenten, der lacht und andere verhöhnt.“
Der größere Riss im Bündnis
Die Auseinandersetzung zwischen Paris und Washington ist kein bilaterales Zerwürfnis – sie steht exemplarisch für die wachsende Spannung zwischen den USA und ihren europäischen Partnern. Wie Table.Briefings analysiert, hatte Macron bereits zuvor betont, Frankreich sei vor den US-Angriffen auf den Iran „nicht konsultiert“ worden und nehme am Krieg „nicht teil“.
Außenminister Marco Rubio hatte laut The Hill angekündigt, die USA müssten nach Ende des Iran-Konflikts ihre Beziehung zur NATO grundlegend „neu bewerten“. Die öffentliche Austragung dieser Differenzen – von Trumps „Papiertiger“-Aussage bis zu Macrons Seoul-Auftritt – zeigt: Der transatlantische Riss verläuft tiefer als je zuvor seit Gründung des Bündnisses.
Credits: APA
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