Macht über unser Geld: Digitaler Euro rückt näher – Kritik wächst

Macht über unser Geld: Digitaler Euro rückt näher – Kritik wächst

Die Einführung des digitalen Euro nimmt konkrete Formen an. Doch während die EZB von Unabhängigkeit spricht, warnen Kritiker vor Überwachung und Kontrolle. Was auf die Bürger zukommt.

2029 soll es soweit sein

Die Europäische Zentralbank (EZB) peilt eine Einführung des digitalen Euro für 2029 an, wie T-Online berichtet. Voraussetzung ist allerdings, dass der Rechtsrahmen für das digitale Zahlungsmittel steht. Ein Gesetzentwurf der EU-Kommission wird derzeit noch im Europäischen Parlament verhandelt. Der Abschluss des Gesetzgebungsprozesses wird laut Deutscher Bundesbank Ende 2026 erwartet.

Sollten die EU-Mitgesetzgeber die Verordnung 2026 annehmen, könnten laut EZB ein Pilotprojekt und erste Transaktionen ab Mitte 2027 stattfinden.

EZB warnt vor US-Abhängigkeit

„Heute besitzen US-Konzerne kritische Teile der Infrastruktur – sie können uns theoretisch den Stecker ziehen“, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Piero Cipollone der „Süddeutschen Zeitung“, wie T-Online berichtet. „Aber jede Verzögerung erhöht unsere Abhängigkeit von ausländischen Zahlungssystemen.“

In der Euro-Zone laufen große Teile von Karten- und Onlinezahlungen über die amerikanischen Finanzkonzerne Visa, Mastercard und Paypal. Bei Kartenzahlungen liegt der Anteil der Transaktionen über die internationalen Systeme laut EZB bei 64 Prozent, berichtet Handelsblatt.

Wie der digitale Euro funktionieren soll

Gedacht ist der digitale Euro für Privatleute und Unternehmen, wie Handelsblatt erklärt. Nutzer sollen die Konten in digitalem Euro bei den Geschäftsbanken führen. Für den Fall, dass eine Bank keinen eigenen Zugang anbietet, soll es eine EZB-App geben.

Vorgesehen ist eine Annahmepflicht etwa im E-Commerce mit relativ wenigen Ausnahmen. Zinsen wird es auf den digitalen Euro nicht geben – so ist es auch bei Bargeld, berichtet Handelsblatt weiter. Er soll sowohl für Online- als auch für Offline-Zahlungen zur Verfügung stehen.

Umstrittenes Haltelimit

Offen und schwer umstritten ist laut Handelsblatt, welche Maximalsumme in digitalem Euro jeder Nutzer halten darf. Diskutiert wurde bisher meist ein Haltelimit von 3.000 Euro. Laut Wikipedia sind auch Grenzen zwischen 500 und 5.000 Euro im Gespräch.

Auch die Höhe der Gebühren, die Zahlungsdienstleister vom Handel für Transaktionen in digitalem Euro verlangen können, muss noch festgelegt werden.

Massive Kritik aus dem Bankensektor

Im November 2025 übte Ulrich Reuter, Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), laut Wikipedia scharfe Kritik am geplanten digitalen Euro. Die Finanzbranche kritisiert, die EZB würde zur bereits bestehenden eine extra Konto- und Zahlungsstruktur aufbauen, die die Banken in ihre Systeme integrieren müssten, wie Handelsblatt berichtet.

Der Vorstandsvorsitzende der französischen Bank Crédit Mutuel, Daniel Baal, schrieb laut Euronews auf LinkedIn, der digitale Euro entspreche „keinem eindeutigen Bedürfnis der Bürger“ und biete „keinen wesentlichen Vorteil gegenüber den bestehenden Zahlungsmitteln“.

Datenschutz und Überwachungsängste

Kritiker warnen vor Überwachung und Profilbildung, berichtet Steuertipps.de. Digitale Zahlungen seien weniger anonym als Bargeld. Die Plattform Netzpolitik warnte bereits 2023, dass Zahlungen mit dem digitalen Euro im Nachhinein nachvollziehbar seien und er damit keinen ausreichenden Schutz der Privatsphäre biete.

„Bei digitalen Währungen behält der Staat die Kontrolle, wenn das Geld beim Bürger ist: man kann etwa Regionen festlegen, in denen das Geld ausgegeben werden darf. Zeiträume. Oder Verwendungszwecke“, warnte Netzpolitik weiter.

EZB verspricht Datenschutz

Die EZB betont auf ihrer Website, dass bei Online-Transaktionen Nutzer, die Zahlungen tätigen oder erhalten, nicht vom Eurosystem identifiziert würden. Bei Offline-Zahlungen wären die persönlichen Transaktionsdaten nur zwei Personen bekannt: der Person, die bezahlt, und der, die das Geld erhält.

Cipollone betonte laut T-Online: „Niemand wird gezwungen, den digitalen Euro zu nutzen. Man kann auch in Zukunft bar oder mit einem anderen Zahlungsmittel bezahlen.“

Kosten und Risiken

Die Einführung des digitalen Euro würde die Banken laut EZB schätzungsweise 4 bis 5,8 Milliarden Euro kosten. Der Ökonom und frühere Wirtschaftsweise Peter Bofinger moniert laut Handelsblatt, dass unklar bleibe, welche Probleme gelöst und welche Ziele konkret erreicht werden sollten.

Kritik gibt es auch mit Blick darauf, dass Privatleute womöglich lieber Geld in digitalem Euro halten als auf dem klassischen Girokonto, besonders im Krisenfall, berichtet Handelsblatt. Dies könnte die Finanzstabilität durch einen Bank Run gefährden, warnt Wikipedia.


Quellen:

  • T-Online: „EZB: Verzögerungen beim digitalen Euro erhöhen Abhängigkeit“
  • Handelsblatt: „Geldpolitik: Das Schicksalsjahr für den digitalen Euro“
  • EZB: Offizielle Website zum digitalen Euro
  • Deutsche Bundesbank: „Stand der Dinge Digitaler Euro“
  • Euronews: „Nutzt die EU den digitalen Euro, um die Kontrolle über Ihr Portemonnaie zu übernehmen?“
  • Netzpolitik.org: „Digitaler Euro: Expert:innen warnen vor Überwachungspotential“
  • Wikipedia: „Digitaler Euro“
  • Steuertipps.de: „Digitaler Euro: Einführung, Auswirkungen und Risiken erklärt“

Credits: APA

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