Während viele Familien ihren Sommerurlaub mühsam zusammensparen müssen, finanziert die Stadt Wien jugendlichen Intensivtätern und „Problemkindern“ Aufenthalte im Ausland – von Madeira bis Skandinavien. Ein Kurier-Bericht bringt nun Details ans Licht, die Opposition und selbst Koalitionspartner auf den Plan rufen.
Reisen als pädagogische Maßnahme
Wer in Jugend-Wohngemeinschaften für Probleme sorgt, durch erhöhte Aggressivität auffällt oder strafrechtlich in Erscheinung tritt, kann über die Wiener Kinder- und Jugendhilfe (MA 11) auf Madeira oder in Skandinavien untergebracht werden, wie der „Kurier“ berichtet. Betroffene sollen dabei fernab ihres gewohnten Umfelds einen Neustart schaffen. Wie Heute.at unter Berufung auf den „Kurier“ ergänzt, erklärte eine Sprecherin der MA 11, es handle sich um jene Personen, bei denen „eine vorübergehende Herausnahme aus dem gewohnten Umfeld sinnvoll“ sei. Die Reisen seien „keine Belohnung“, sondern eine „intensiv betreute pädagogische Maßnahme“, mit der Traumata und Defizite aufgearbeitet sowie Delinquenz und Aggressivität durchbrochen werden könnten.
Bis zu 2.000 Euro pro Woche
Konkrete Kostenangaben lieferte die Stadt bislang nur bruchstückhaft. Laut oe24 können solche Betreuungsangebote bis zu 2.000 Euro pro Woche und Person kosten. Heute.at berichtet dagegen, die MA 11 habe gegenüber dem „Kurier“ keine klaren Zahlen zu Kosten oder Erfolg der Maßnahme vorlegen können – diese seien entweder im ohnehin anfallenden Tagsatz der Wiener Unterbringung enthalten oder würden als Zusatzkosten separat verrechnet. Zudem handle es sich um ein „individuelles Angebot“, wodurch sich Aufenthaltsdauer und Kosten von Fall zu Fall stark unterscheiden würden. Ob es sich bei den betroffenen Jugendlichen konkret um Straftäter, Missbrauchsopfer oder Geflüchtete handelt, wurde laut Heute.at ebenfalls nicht klar kommuniziert.
Ein Fall aus 2023 als Beispiel
Wie brisant solche Auslandsaufenthalte werden können, zeigt ein bereits 2023 medial bekannt gewordener Fall: Ein Jugendlicher erschien damals nicht zu seinem eigenen Gerichtstermin wegen des Verdachts der Nötigung – er befand sich zu diesem Zeitpunkt auf einer sechsmonatigen Madeira-Reise, deren Kosten sich laut Heute.at auf rund 30.000 Euro belaufen haben sollen.
Die Dimension: 500 Millionen Euro Jahresbudget
Um welche Größenordnung es sich bei der MA 11 insgesamt handelt, verdeutlichen weitere Zahlen aus dem „Kurier“-Bericht: Das Budget der Magistratsabteilung liegt allein für 2025 bei rund 500 Millionen Euro, aktuell stehen rund 4.150 Kinder und Jugendliche unter Betreuung. Je nach Betreuungsform bewegen sich die Tagessätze zwischen etwa 200 und 1.400 Euro pro Person, wie oe24 aus dem Bericht zitiert.
Scharfe Kritik von FPÖ und ÖVP
Die politischen Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten. FPÖ-Wien-Bildungssprecher und Klubobmann Maximilian Krauss richtete seine Kritik direkt an die zuständige Stadträtin: „Während bei den Wienern gespart und abkassiert wird, kennt Emmerling beim Geldausgeben offenbar keine Grenzen. Besonders grotesk ist, dass es keine transparenten Gesamtkosten, keine klaren Teilnehmerzahlen und keine umfassenden Nachweise über den tatsächlichen Erfolg dieser Reisen gibt. So geht man mit dem Geld der Steuerzahler nicht um“, so Krauss laut oe24.
Auch aus der Wiener ÖVP kam scharfe Kritik. Familiensprecherin und Gemeinderätin Sabine Keri sieht ein wiederkehrendes Muster: „Die Negativschlagzeilen rund um die Wiener Kinder- und Jugendhilfe nehmen kein Ende. Wieder einmal bleiben dabei zentrale Fragen unbeantwortet. Das zieht sich mittlerweile wie ein roter Faden durch die MA 11. So wie bereits bei der Auszeit-WG werden auch jetzt wesentliche Fragen zum Konzept nicht beantwortet.“ Es stelle sich die Frage, warum die zuständige NEOS-Stadträtin Bettina Emmerling auch in diesem Fall Transparenz vermissen lasse, so Keri.
Fachliche Bewertung ausständig
Laut Heute.at hätten sich bereits Wissenschaftler mit dem Erfolg solcher „individualpädagogischer Auslandsmaßnahmen“ befasst – eine öffentlich zugängliche, klare fachliche Erfolgsbewertung der Wiener Praxis selbst liegt bislang aber nicht vor. Genau dieses Fehlen belastbarer Wirksamkeitsnachweise ist es, das Kritiker aus FPÖ und ÖVP der zuständigen Stadträtin nun vorwerfen.
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