Am Wiener Stephansplatz hätten Außenministerin Meinl-Reisinger und Bürgermeister Ludwig zum Europatag sprechen sollen. Stattdessen wurden ihre Reden von Trillerpfeifen und Megafon übertönt. Die Polizei schaute zu.
Trillerpfeifen statt Europahymne
Was als feierliche Veranstaltung zum Europatag am 9. Mai geplant war, endete in einem Lärmpegel, der Reden unmöglich machte. Wie die Kronen Zeitung berichtet, störten pro-palästinensische Demonstranten am Samstag die Ansprachen von Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) und Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) mit Trillerpfeifen und einem Megafon. Die Protestrufe „Free Palestine“ und Parolen gegen Israels Teilnahme am Eurovision Song Contest in Wien übertönten die Redner so weit, dass deren Worte kaum zu verstehen waren.
Die Demonstranten bezeichneten die österreichische Regierung als mitschuldig an einem „angeblichen Genozid“ im Gazastreifen — eine Formulierung, die juristisch und politisch hochumstritten ist. Einige Polizisten rückten an — griffen aber nicht ein.
Meinl-Reisinger bittet, Ludwig reagiert scharf
Meinl-Reisinger versuchte zunächst, mit den Störern zu verhandeln: „Ich würde vorschlagen, vielleicht kann ich jetzt was sagen, und dann machen wir das vielleicht extra. Machen wir eine Arbeitsteilung, vielleicht?“ Der Versuch scheiterte.
Ludwig wählte eine direktere Sprache. „Das, was Sie machen, hat mit Toleranz nichts zu tun“, sagte er laut Kronen Zeitung in Richtung der Demonstranten. „Ich werde mich immer dafür einsetzen, dass die Menschen heute hier aussprechen können und nicht niedergepfiffen werden. Das ist nicht unser Wille, das sage ich ganz offen.“
Was die Aktion zeigt
Die Störung am Stephansplatz ist kein Einzelfall. Bereits beim ESC-Halbfinale-Umfeld und rund um den Österreich-Pavillon in Venedig war das Israel-Thema in den letzten Tagen omnipräsent. Fünf Länder boykottieren den ESC 2026 in Wien wegen Israels Teilnahme. In Malmö beim ESC 2024 gab es ähnliche Straßenproteste.
Was dabei auffällt: Wer das Recht auf freie Meinungsäußerung für sich beansprucht, schränkt es gleichzeitig für andere ein. Eine Veranstaltung zum Europatag — einem Tag, der explizit für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und freie Rede steht — durch organisierten Lärm zu sabotieren, ist kein Protest. Es ist dessen Gegenteil.
Credits: APA
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